Heikles Doppel
Mut zu Raritäten, präsentiert in konservativer Ästhetik: So könnte man die Eckpfeiler des künstlerischen Konzepts von Intendant Stefano Mazzonis di Pralafera umreißen, der seit 2007 das Königliche Opernhaus in Lüttich leitet. Sein Spielplan bietet Renner wie «La traviata» und «Die Zauberflöte». Aber eben auch Seltenes aus der zweiten Reihe wie Verdis frühen «Ernani» oder Rossinis «La scala di Seta».
Die Zahlen scheinen Mazzonis’ Strategie der Mischkalkulation zu bestätigen: Das 2012 nach einer Grundsanierung neu erstrahlte Haus kann inzwischen eine Traumauslastung von 97 Prozent nachweisen und hat nach eigener Auskunft den Anteil junger Besucher auf 30 Prozent erhöhen können. Auch mittels extrem günstiger Preise: Für Menschen unter 26 Jahren ist ein Ticket schon ab vier Euro zu haben und damit weit billiger als eine Kinokarte.
Das Publikum lässt sich selbst an einem regengrauen Sonntagnachmittag bereitwillig zur Premiere von zwei Einaktern des 20. Jahrhunderts ins Opernhaus locken. Zwischen Ermanno Wolf-Ferraris heiterem Intermezzo «Il segreto di Susanna» von 1909 und Francis Poulencs existenziellem Monolog «La Voix humaine» von 1959 ist auf den ersten Blick selbst mit scharf ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Regine Müller
Owen Wingrave», die vorletzte Oper des bekennenden Pazifisten Benjamin Britten nach einer Erzählung von Henry James, entstand 1970 – in der Endphase des Vietnam-Krieges – als Auftragswerk für das britische Fernsehen. Britten und seine Librettistin Myfanwy Piper nutzten mit schnellen Wechseln und Simultanszenen virtuos die Möglichkeiten der filmischen Dramaturgie....
Die wichtigste Sängerin in Verdis Leben nach Giuseppina Strepponi, der ersten Abigaille im frühen «Nabucodonosor», war die aus der Nähe von Prag stammende Teresa Stolz(ová). Bei den Proben zu «Aida», in der sie 1872 die Titelrolle sang, und zur «Messa da Requiem» kam ihr der Komponist so nahe, dass Strepponi, nach langen Jahren als Konkubine schließlich Verdis...
Er war ein bisschen aus der Zeit gefallen, als er kurz nach «Pelléas et Mélisande» und wenige Jahre vor «Salomé» mit einem Melodramma im Stil des 19. Jahrhunderts herauskam: Francesco Cileas «Adriana Lecouvreur», 1902 an der Mailänder Scala mit Angelica Pandolfini und Enrico Caruso uraufgeführt, geriet zum großen Schwanengesang der alten Oper. Eine historische...
