Hashtag Liebe

Saariaho: L’ amour de loin
Brno | Oper

Opernwelt - Logo

Sehnsucht: «Wohnen im Gewoge und keine Heimat haben in der Zeit». Wir denken an Rilke, als wir nun im Janáček Theater zu Brünn Kaija Saariahos «L’amour de loin» hören. Sehnsüchtige Liebe aus der Ferne war ja den Minnesängern aufgegeben – etwa Jaufré Rudel. Er lebte im 12. Jahrhundert in der Provence; seine Leidenschaft für Clémence, die ferne Gräfin von Tripoli, war Legende. Saariaho und ihr Librettist Amin Maalouf borgten sich diese Figur für ihre Oper.

Mit ein wenig Fantasie erinnert uns Pavol Kubáň, der den Jaufré in Brno mit viel Engagement verkörpert, an den französischen Fußballer Éric Cantona. Letzterer war in den 1990er-Jahren nicht nur das Gesicht von Manchester United, sondern auch so etwas wie ein zu spät geborener Repräsentant der französischen Ritterkultur: Haudegen und Dichter, Turnierkämpfer und Minnesänger. Der Vergleich ist keineswegs, um im Jargon zu bleiben, tiré par les cheveux, bloß an den Haaren herbeigezogen, sondern trifft den Charakter Jaufrés: Dieser war, ehe die hehre Minne ihn erfasste, wohl ein Sauf- und Raufbold. Und ein Lüstling. Die Assoziation passt aber auch zur Brünner Aufführung, denn Regisseur Jiři Heřman holt das Stück aus dem Mittelalter in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Gehrard Persché

Weitere Beiträge
Ach!

Der Doktor öffnet das große, geheimnisvolle, in Leder gebundene Buch. Er weiß, was da vor ihm liegt und wohin es ihn führen wird: zur Macht, zur Erkenntnis, zum Teufel. Doch das Buch ist Tarnung. Statt Zauberformeln birgt es einen Laptop, mit dessen Hilfe Faust die Dämonen heraufbeschwört (die er dann nicht sieht, obwohl sie neben ihm stehen). Der Computer als Tor...

Schwärmer und Rauscher

Liebhabern der Barockoper ist Carl Heinrich Graun kein Unbekannter. Seine Montezuma-Oper liegt seit vielen Jahren als Einspielung vor und hat mehrere Inszenierungen erlebt; für die Staatsoper Unter den Linden grub René Jacobs 1992 «Cleopatra e Cesare» aus, jene Oper, mit der das Haus 250 Jahre zuvor eröffnet worden war. Doch wer kennt schon Musik aus Grauns...

Impressum

58. Jahrgang, Nr 5
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752300

Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.der-theaterverlag.de/opernwelt



Redaktion
Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)

Redaktionsbüro
Andrea Kaiser...