Entpuppt

Vivaldi: Arsilda, regina di Ponto
Bratislava | Slowakisches Nationaltheater

Die Frage, warum der Schöpfer dem Menschen den mächtigsten Trieb gegeben habe, um diesen sodann ganz oben auf die Verbotsliste zu setzen, hat den «roten Priester» wohl nie sonderlich gequält. Denn Antonio Vivaldi handelte in seiner Libido, glaubt man den Berichten, recht frei. Auf jeden Fall besitzt die schönste Hauptsache der Welt auch in seinen Opern einen ambivalenten Charakter. Wobei die Eigensucht – sempre piace goder il suo bene (immer sein eigenes Wohl genießen) singt Arsildas Verehrer Barzane – eine wesentliche Rolle spielt.

So befreien stete Verstellung und Identitätswechsel die jeweils Liebenden von aller Verantwortung; das dekadente, gelegentlich perverse Spiel ersetzt die Wirklichkeit. Wie eben auch in «Arsilda, regina di Ponto» nach dem Libretto von Benedetto Domenico Lalli.  

Eigentlich geht es dort vor allem um Tamese und Lisea, den Thronprätendenten von Zilizien und seine Zwillingsschwester. Und um Tameses Freund Barzane. Als Gäste des Königs von Ponto verlieben sich die beiden jungen Männer in dessen Tochter Arsilda; diese gibt Tamese den Vorzug, was Barzane in Eifersucht glühen lässt. Auf der Rückreise fällt Tamese vermeintlich einem Schiffbruch zum Opfer. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Zuckerfrei

Wer würde schon hinter Wörtern wie Opium oder Parfüm die Titel musikalischer Anthologien erahnen? Oder gar ein «Konzept» hinter dem Wort «Heimat», das Benjamin Appl für seine Debüt-CD bei Sony  gewählt hat. Auf die Frage, um welche Heimat es geht, geben die 25 Lieder deutscher, französischer, englischer und eines norwegischen Komponisten 1003 Antworten. Es gehe...

Von gestern auf heute

Lyon: «Elektra»

Wieder hat er ganze Arbeit geleistet: In mehr als 60 Details weicht Hartmut Haenchens «Elektra»-Material von den gängigen Druckfassungen ab. Änderungen und Ergänzungen, die, so die feste Überzeugung des Dresdner Dirigenten, den letzten Willen von Richard Strauss spiegeln. Aufgespürt vor allem in der Uraufführungspartitur von 1908/09. Für sich...

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt

Sterben? Für eine schlechte Sache? Nein, sagt der Dichter und schreibt ein Poem, welches sich gegen die Gräuel des Ersten Weltkriegs richtet, zugleich aber grundsätzlich nach dem Wesen von Leben und Tod fragt. Man schrieb das Jahr 1917, da lieferte Puccinis Librettist Giuseppe Adami die Vorlage für das Lied «Morire?». Dieser nutzte es zu einem leidenschaftlichen...