Hartmann, Mozart, Grétry im Praxistest
Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu: In der Kunst geht nichts ohne Form. Die besten Ideen verblassen und alle kreative Energie verpufft, wenn es keinen Rahmen, keinen roten Faden gibt, die ästhetische (Ent-)Äußerungen fokussieren. Das gilt erst recht für Strategien, die künstlerische Wahrheit aus der Verletzung etablierter Regeln und Kodes oder aus der gezielten Enttäuschung von Erwartungen zu schlagen hoffen. Wer mit dem Tradierten bricht, muss umso klarer, konzentrierter die Sprache (und die Bezugspunkte) dieses Bruchs formulieren.
Dass der provokative Gestus oft sein Ziel verfehlt, stumpf, mitunter gar bieder wirkt, statt Hirn und Herzen zu bewegen, liegt meist an der diffusen Bestimmung seines Woher und Wohin, Wie und Warum. So besteht der Sinn von Musik- und Kunsthochschulen nicht nur darin, Fachkenntnisse zu vermitteln, sondern auch darin, dass schöpferisches Stürmen und Drängen sich dort an Zwischenrufen erfahrener Fachkräfte abarbeiten muss, um – im besten Fall – die eigene Stimme zu finden.
Die Universität der Künste in Berlin-Charlottenburg schickt seit sieben Jahren angehende Theaterleute in konzertierte Praxistests. Gesang und Schauspiel, Dirigieren ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Albrecht Thiemann
Glaubt man dem Programmheft und den Festreden zur Eröffnung der Maifestspiele in Wiesbaden, so sind Probleme um Aufführungsrechte verantwortlich dafür, dass Rodion Schtschedrins «Lolita» nach der Uraufführung 1994 in Stockholm (siehe OW 2/1995) wieder in der Schublade verschwand. Doch auch das Revival in Wiesbaden, gleichzeitig deutsche und deutschsprachige...
Frau Breth, «Wozzeck» war Ihre erste Opernregie in Berlin. Man kann sich nicht vorstellen, dass Sie deswegen nervös werden. Oder doch?
Stimmt, es ist mir relativ wurscht, wo ich inszeniere. Die Bedingungen müssen gut sein. Mich interessieren das Werk, der Dirigent und die Sänger. Das kann sonstwo sein.
«Wozzeck» ist ein einsames Meisterwerk. Vereinfacht das Ihre...
«Madama Butterfly» ist immer wieder Sentimentalität vorgeworfen worden. Ein rezeptionsgeschichtliches Missverständnis? Bei der Mailänder Uraufführung 1904 zumindest wurde das Werk keineswegs als exotisches Rührstück wahrgenommen, sondern als Provokation. Die Premiere bescherte Puccini ein Desaster, es kam ob der deutlich formulierten, massiven Sozial- und...
