Hartmann, Mozart, Grétry im Praxistest
Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu: In der Kunst geht nichts ohne Form. Die besten Ideen verblassen und alle kreative Energie verpufft, wenn es keinen Rahmen, keinen roten Faden gibt, die ästhetische (Ent-)Äußerungen fokussieren. Das gilt erst recht für Strategien, die künstlerische Wahrheit aus der Verletzung etablierter Regeln und Kodes oder aus der gezielten Enttäuschung von Erwartungen zu schlagen hoffen. Wer mit dem Tradierten bricht, muss umso klarer, konzentrierter die Sprache (und die Bezugspunkte) dieses Bruchs formulieren.
Dass der provokative Gestus oft sein Ziel verfehlt, stumpf, mitunter gar bieder wirkt, statt Hirn und Herzen zu bewegen, liegt meist an der diffusen Bestimmung seines Woher und Wohin, Wie und Warum. So besteht der Sinn von Musik- und Kunsthochschulen nicht nur darin, Fachkenntnisse zu vermitteln, sondern auch darin, dass schöpferisches Stürmen und Drängen sich dort an Zwischenrufen erfahrener Fachkräfte abarbeiten muss, um – im besten Fall – die eigene Stimme zu finden.
Die Universität der Künste in Berlin-Charlottenburg schickt seit sieben Jahren angehende Theaterleute in konzertierte Praxistests. Gesang und Schauspiel, Dirigieren ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Albrecht Thiemann
Eine Story wie aus einem Boulevard-Blatt: Ein Haus steht zum Verkauf. Nadja, deren Eltern kürzlich verstorben sind, führt die Interessenten in Begleitung des Maklers Axel Freund durchs Haus. Als Nachbarn enthüllen, dass hier Blut geflossen ist – Nadjas Mutter erstach ihren Mann, bevor sie sich selbst das Leben nahm, denn Nadja «stand wohl dem Vater zu nah» –...
Es dürfte hauptsächlich rezeptionsgeschichtliche Gründe haben, dass die 1849 entstandene «Luisa Miller» noch immer zum frühen Verdi geschlagen wird. Denn was die dramatische Stringenz und die Verknappung der musikalischen Mittel angeht, steht diese dritte Schiller-Veroperung Verdis schon fast auf dem Niveau des «Rigoletto» – hier wie dort herrscht...
Auf dieses Ereignis hatte man (nicht nur) in Russland lange gewartet – eine Aufführung von Alexander Borodins «Fürst Igor» in einer Version, die auf alle späteren Retuschen und Ergänzungen verzichtet. Das Stück ist seit seiner Uraufführung 1890 in der Bearbeitung von Nikolaj Rimsky-Korsakow und Alexander Glasunow bekannt. Die von Borodin intendierte Urfassung des...
