Harmonie der Unterwelt
Der Ort ist ein Traum. Auf einer Anhöhe, direkt am Vierwaldstätter See und leicht abgeschieden, liegt die Villa Senar. Und ist schon der Würfelbau an sich ein Schmuckstück, birgt er dazu in seinem Innern einen unüberbietbaren Schatz – jenen schwarzmattglänzenden Flügel, den Frederick Steinway dem Komponisten und Hausherrn Sergej Rachmaninow zu dessen 60. Geburtstag schenkte. Wer ihn nur einmal gehört hat, wird seinen mächtigmajestätischen und abgründig-seelenvollen Klang nicht mehr vergessen.
Grund dafür ist vor allem die Größe dieser Sonderfertigung: Sie ist ein Meter länger als vergleichbare Instrumente. Noch schöner: Auf dem Flügel wird wieder gespielt – wie jetzt in der Aufnahme, die Alexander Melnikov gemeinsam mit der Sopranistin Julia Lezhneva unter dem Namen «Visiting Rachmaninoff» realisiert hat.
Man muss zunächst von einer atemraubenden Interpretation sprechen, die ohne menschliche Stimme auskommt und am Anfang des Albums steht. Melnikov spielt die komplexen, kontrapunktisch durchwirkten Chopin-Variationen op. 22 mit nachgerade metaphysischem Tiefsinn, klanglich in alle nur denkbaren Extreme gehend; und er kreiert Valeurs, die vielleicht nur der Schöpfer dieser Musik ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Medien, Seite 33
von Jürgen Otten
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