Harmonie der Unterwelt

CD des Monats: Tief beseelt. Julia Lezhneva singt Romanzen von Rachmaninow, Alexander Melnikov begleitet klangmächtig

Opernwelt - Logo

Der Ort ist ein Traum. Auf einer Anhöhe, direkt am Vierwaldstätter See und leicht abgeschieden, liegt die Villa Senar. Und ist schon der Würfelbau an sich ein Schmuckstück, birgt er dazu in seinem Innern einen unüberbietbaren Schatz – jenen schwarzmattglänzenden Flügel, den Frederick Steinway dem Komponisten und Hausherrn Sergej Rachmaninow zu dessen 60. Geburtstag schenkte. Wer ihn nur einmal gehört hat, wird seinen mächtigmajestätischen und abgründig-seelenvollen Klang nicht mehr vergessen.

Grund dafür ist vor allem die Größe dieser Sonderfertigung: Sie ist ein Meter länger als vergleichbare Instrumente. Noch schöner: Auf dem Flügel wird wieder gespielt – wie jetzt in der Aufnahme, die Alexander Melnikov gemeinsam mit der Sopranistin Julia Lezhneva unter dem Namen «Visiting Rachmaninoff» realisiert hat.

Man muss zunächst von einer atemraubenden Interpretation sprechen, die ohne menschliche Stimme auskommt und am Anfang des Albums steht. Melnikov spielt die komplexen, kontrapunktisch durchwirkten Chopin-Variationen op. 22 mit nachgerade metaphysischem Tiefsinn, klanglich in alle nur denkbaren Extreme gehend; und er kreiert Valeurs, die vielleicht nur der Schöpfer dieser Musik ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Medien, Seite 33
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Gewalt und Leidenschaft

Natürlich nehme «La traviata» die herbstlich-winterliche Position im Spielplan ein, wo das Haus «ganz bewusst die großen Dramen mit berühmten, gefühlvollen Melodien» zeigen will. Sagt Søren Schuhmacher, der neue Intendant am Theater Hagen, im Interview. Am Ende beweist auch Schuhmacher in seiner «Traviata»-Inszenierung, dass Giuseppe Verdi alles andere ist als ein...

Im Hier und Heute

Ende Oktober 2025: Nach zwei Jahren kreativem Schreibprozess beginnen nun endlich die szenischen Proben unserer Uraufführung am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Eine neue Operette schreiben zu dürfen, ist für uns als Autorin und Autor – als Komponistin und Librettist – ein riesiges Geschenk mit Schleife. Philipp hegt schon lange diesen queeren Walzertraum, der...

Gegen das Vergessen

Remembrance» hat Marcel Brunner sein Debütalbum genannt, das mit Blick auf die gegenwärtige Weltlage Lieder präsentiert, in denen die Schrecken der beiden Weltkriege reflektiert werden. Er erinnert dabei auch an den hochbegabten Rudi Stephan, der 27-jährig bereits im ersten Kriegswinter 1915 an der Front starb. Es sind «ernste Gesänge» in Anlehnung an Brahms’...