Harmonie der Unterwelt
Der Ort ist ein Traum. Auf einer Anhöhe, direkt am Vierwaldstätter See und leicht abgeschieden, liegt die Villa Senar. Und ist schon der Würfelbau an sich ein Schmuckstück, birgt er dazu in seinem Innern einen unüberbietbaren Schatz – jenen schwarzmattglänzenden Flügel, den Frederick Steinway dem Komponisten und Hausherrn Sergej Rachmaninow zu dessen 60. Geburtstag schenkte. Wer ihn nur einmal gehört hat, wird seinen mächtigmajestätischen und abgründig-seelenvollen Klang nicht mehr vergessen.
Grund dafür ist vor allem die Größe dieser Sonderfertigung: Sie ist ein Meter länger als vergleichbare Instrumente. Noch schöner: Auf dem Flügel wird wieder gespielt – wie jetzt in der Aufnahme, die Alexander Melnikov gemeinsam mit der Sopranistin Julia Lezhneva unter dem Namen «Visiting Rachmaninoff» realisiert hat.
Man muss zunächst von einer atemraubenden Interpretation sprechen, die ohne menschliche Stimme auskommt und am Anfang des Albums steht. Melnikov spielt die komplexen, kontrapunktisch durchwirkten Chopin-Variationen op. 22 mit nachgerade metaphysischem Tiefsinn, klanglich in alle nur denkbaren Extreme gehend; und er kreiert Valeurs, die vielleicht nur der Schöpfer dieser Musik ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Medien, Seite 33
von Jürgen Otten
JUBILARE
Schon im Alter von vier Jahren sang Jeanne Piland, die am 3. Dezember 80 Jahre alt wird, im Kinderchor ihrer Heimatstadt Raleigh, North Carolina. Ersten Gesangsunterricht erhielt sie als 14-Jährige, ihr Studium absolvierte sie an der University of North Carolina und an der East Carolina University. Ihre professionelle Opernlaufbahn begann die...
Erlösung heißt hier Hofstallgasse, das Flanierfeld vor den Festspielhäusern. Ein entspanntes Schlendern, händchenhaltend, vielleicht auf dem Weg zu einem G’spritzten. Und ein Blick zurück in die Videokamera: Holländer und Senta, nach letzten stimmtötenden Phrasen nun glücklich vereint. Man fürchtet ein wenig, dass sie zu Wagners finalen Takten auch noch winken. Es...
Gott, welch Dunkel hier! Als wären wir zu Gast im Schattenreich der Nyx, wo totale Finsternis herrscht, Licht nur in seiner trübseligsten Form Zugang zu finden vermag (und singende Kinder gar keinen Zutritt haben) und wo nun auch die Untoten das Sagen haben. Schon vor dem ersten Ton sieht man sie hin und her schleichen um die «Kirche des Gewesenen» – entleerte...
