Hanseatischer Akzent: «La belle Hélène» aus Hamburg
Die Offenbach-Produktion, mit der Simone Young im Herbst 2014 ihre letzte Hamburger Spielzeit eröffnete, war ein großer Publikumserfolg (siehe OW 12/2014). Die Veröffentlichung auf DVD ist eine willkommene Alternative bzw. Ergänzung zu der Pariser Produktion (2000) unter Marc Minkowski und Laurent Pelly (Arthaus). Das französische Duo Renaud Doucet (Regie und Choreografie) und André Barbe (Bühne und Kostüme) siedelt die Handlung in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts an.
Eine durchgeknallte amerikanische Touristin erlebt auf dem Kreuzfahrtdampfer «Jupiter Stator» Helenas Geschichte als Wachtraum.
Die Inszenierung ist zwar weder hintergründig noch satirisch, aber sie macht von der ersten bis zur letzten Minute Spaß. Denn der Regisseur hat alle Sänger und Choristen in eine natürliche Spiel- und Bewegungslaune versetzt, die das Geschehen in ständigem Schwung hält. Und die einstige Belcanto-Queen Jennifer Larmore, längst in Charakterrollen wie der Küsterin oder der Gräfin Geschwitz unterwegs, füllt die Titelrolle mit ihrer großen Bühnenpräsenz und ihrem komödiantischen Temperament in jeder Hinsicht aus.
Musikalisch erreicht die Aufführung nicht ganz das Niveau der Produktion aus ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Ekkehard Pluta
Kleingeistige Tyrannen, Odalisken, Harems, grausame Bestrafungen und dergleichen mehr wurden – als Versatzstücke einer dem Exotismus huldigenden Kunst – bereits seit Rossinis «L’italiana in Algeri» verspottet, als Verdi sich mit «Il corsaro» (1848) zum zweiten Mal einer Vorlage Lord Byrons widmete. Nach den politisch aufgeladenen «Due Foscari» (1844) geriet die...
Das ist keine Prahlerei, das ist ein Liebesgeständnis: Der Dirigent Michael Schønwandt kennt «Maskarade» von Carl Nielsen auswendig – und zwar «seit ich zehn Jahre alt bin», erzählte er Ende April bei dänischem Bier im Kopenhagener «Tivoli». Und wie man Nielsen im Orchester spielen muss, hat er bei der Gelegenheit auch erklärt: «Nicht zu dick. Dann klingt er wie...
Und die Oper? Das war die Frage, als Andreas Beck im Herbst 2015 vom Schauspielhaus Wien als Intendant ans Theater Basel kam. Sie stand umso dringender im Raum, als Beck sein Amt von Georges Delnon übernahm, einem Vertreter des Musiktheaters, der inzwischen an die Oper Hamburg wechselte. Wer den Basler Spielplan mit seinem starken Akzent im Schauspiel betrachtete,...
