Hanseatischer Akzent: «La belle Hélène» aus Hamburg
Die Offenbach-Produktion, mit der Simone Young im Herbst 2014 ihre letzte Hamburger Spielzeit eröffnete, war ein großer Publikumserfolg (siehe OW 12/2014). Die Veröffentlichung auf DVD ist eine willkommene Alternative bzw. Ergänzung zu der Pariser Produktion (2000) unter Marc Minkowski und Laurent Pelly (Arthaus). Das französische Duo Renaud Doucet (Regie und Choreografie) und André Barbe (Bühne und Kostüme) siedelt die Handlung in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts an.
Eine durchgeknallte amerikanische Touristin erlebt auf dem Kreuzfahrtdampfer «Jupiter Stator» Helenas Geschichte als Wachtraum.
Die Inszenierung ist zwar weder hintergründig noch satirisch, aber sie macht von der ersten bis zur letzten Minute Spaß. Denn der Regisseur hat alle Sänger und Choristen in eine natürliche Spiel- und Bewegungslaune versetzt, die das Geschehen in ständigem Schwung hält. Und die einstige Belcanto-Queen Jennifer Larmore, längst in Charakterrollen wie der Küsterin oder der Gräfin Geschwitz unterwegs, füllt die Titelrolle mit ihrer großen Bühnenpräsenz und ihrem komödiantischen Temperament in jeder Hinsicht aus.
Musikalisch erreicht die Aufführung nicht ganz das Niveau der Produktion aus ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Ekkehard Pluta
Ein Komponist, der einem zwar in musikwissenschaftlichen Seminaren begegnet, von dem die meisten aber nur die wenigen Aufnahmen der Callas (darunter den akustisch fragwürdigen Mitschnitt von Luchino Viscontis Scala-Produktion der «Vestale» 1954) kennen. Gaspare Spontini, 1774 nahe Pergolesis Heimat in den Marken geboren, existierte vor allem als streng...
Beethovens einzige Oper ist eine der revolutionären Manifestationen des Musiktheaters und zugleich eins seiner größten Sorgenkinder. Jossi Wieler und Sergio Morabito haben «Fidelio» jetzt in Stuttgart inszeniert – mit jener akribischen Versenkung in das Werk und seine Überlieferung, wie sie für die beiden selbstverständlich ist. In ihrer gemeinsam mit dem...
So scharf, so farbensatt, so leuchtend hat man den Plafond der Garnier Oper noch nie gesehen. Das Debussy-Feld mit dem schwarzen Haar Mélisandes und dem goldgekrönten Kopf König Arkels. Den fetten, grünweiß gefiederten Feuervogel, der grinsend über dem Märchenprinzenpaar aus Strawinskys Ballett schwebt, das hier 1910 uraufgeführt wurde. Den blauen Reiter, der mit...
