Halévy al Fresco

Die Stiftung Palazzetto Bru Zane muss sich kritische Fragen gefallen lassen

Opernwelt - Logo

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul? Über die unbekannten Werke, die der Palazzetto Bru Zane regelmäßig ausgräbt, können sich historisch interessierte Melomanen nur freuen. Diesmal eine historisierende Oper des Komponisten, von dem man eigentlich nur «La Juive» kennt. Ein gewisser Richard Wagner durfte 1841 den Klavierauszug anfertigen und lobte die «vielen hübschen Gesangstellen». In der Tat überrascht, wie hier Halévy der melancholischen Melodik Donizettis nacheifert.

Entscheidend für den Erfolg beim Publikum – 100 Aufführungen in Paris in nur 13 Jahren – war freilich die prunkvolle Ausstattung in einem Zypern, das man im Orient imaginierte. Heute frappiert anderes: Giuseppe Verdi hat sich von dieser Oper um ein zwangsverheiratetes Adelsfräulein aus Venedig sehr nachhaltig inspirieren lassen. Überdeutliche Echos begegnen in «Jérusalem» und «Simon Boccanegra», sogar in «Otello». Mehr noch: In seiner «Aida» griff Verdi auf die überlangen, eng mensurierten, ohrenbetäubend lauten Trompeten zurück, die Halévy im vierten Akt als «antike» Bühnenmusik einsetzt.

Ob das Stück über solche Erkenntnisse hinaus die Mühe lohnt? Schwer zu sagen. Denn wie (allzu) oft im Hause Bru ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 37
von Anselm Gerhard

Weitere Beiträge
Lustvoll überdreht

Was hat der Gentleman im Dschungel zu tun?», heißt einer der Schlager aus Paul Abrahams «Blume von Hawaii». Wobei die Frage in Bad Ischl genauso gut lauten könnte: Was hat die kulturgeschichtlich eher dem Berliner Raum zugeordnete Revueoperette bei den Operettenfestspielen im österreichischen Kurort mit k.u.k.-Vergangenheit zu suchen? Die Antwort: In diesem Jahr...

Heiße Bilder, kühles Feuer

Salzburg

Salzburg schwitzte. Aber die Reise zu den diesjährigen Sommerfestspielen lohnte sich: der bildmäch­tigen Regiehandschriften wegen und auch, weil Dirigenten von Format am Werke waren. In der Felsenreitschule korrespondierten Romeo Castelluccis heiße «Salome»-Bilder mit dem kühl-analytischen Feuerstrom, den Franz Welser-Möst entfachte; im Großen...

Alles Verdi

Wer als Teilnehmerin oder Teilnehmer eingeladen ist, kann sich vom Maestro persönlich angesprochen und auf mannigfache Art betreut fühlen. Das gilt vor allem für die jungen Talente, die von einer internationalen Jury ausgewählt wurden: in diesem Jahr je vier Dirigenten und Korrepetitoren. Zum engen Kreis gehören auch die von Riccardo Muti engagierten Sänger und...