Händel, Telemann und der Maddin

Knisternde Theaterluft: Wie das kleine Haus in Gießen erfolgreich mit alten und neuen Formen des Musiktheaters experimentiert

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Nichts gegen Kontinuität! Als Cathérine Miville vor 13 Jahren von dem nach Erfurt wechselnden Guy Montavon die Gießener Intendantenstaffel übernahm, wurde das kleine Haus in Mittelhessen kaum einmal überregional wahrgenommen. Das hat sich allmählich, aber auffällig und in der Summe heftig geändert. Nun gibt es, vor allem in der Oper, eine Fülle von Produktionen, die ein Publikum von weither anziehen, aber auch von den Bewohnern der Universitätsstadt geschätzt werden. Bei den Gießener Premieren herrscht knisternde Theaterluft.



Kenner wissen, dass Gießen ein geradezu dramatisches Theaterpflaster ist – Brutstätte einer Bühnenästhetik, die Verstand und Praxis Theaterschaffender radikal veränderte. Die «angewandte Theaterwissenschaft» des an der Gießener Uni lehrenden charismatischen Theoretikers Andrzej Wirth geriet zur einflussreichsten Theaterströmung der letzten Zeit; ihr vielleicht namhaftester aktueller Repräsentant ist Réne Pollesch, der keine «fertiggedruckten» Stücke mehr inszeniert, sondern mit den Schauspielern zusammen ein körperzentriertes «integrales» Spielen (unter Zuhilfenahme nichtnarrativer, teils quasi ad hoc generierter Texte) herstellt. Es scheint plausibel, dass ...

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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Hans-Klaus Jungheinrich

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