Großmeister der Kulisse
Für viele war er der Größte, für nicht wenige eine Zumutung. Wer sich die Oper als Museum wünscht, als Schaukasten einer zum Hort des maßlos Schönen verklärten Vergangenheit, findet in der verschwenderischen Opulenz, die Franco Zeffirelli auf der Bühne wie auf der Leinwand kultivierte, genau jenen vermeintlich historisch korrekten Glanz der Oberfläche, der die Sehnsucht nach Kulissenzauber bedient.
Wer Sinn und Bedeutung eines Werks durch die Zeiten nicht als etwas Gegebenes, sondern als das – stets vorläufige – Ergebnis forschender Deutungsarbeit begreift, kann an seinen ins Bombastische getriebenen Materialschlachten nur verzweifeln.
Die Klaviatur der Ausstattungsorgie beherrschte der 1923 als Gianfranco Corsi geborene Florentiner so perfekt, dass ihm nicht nur ein nach monumentaler Illusion dürstendes Publikum, sondern auch Diven wie Maria Callas (als Traviata und Tosca) oder Elisabeth Taylor (in seiner Verfilmung von Shakespeares «The Taming of the Shrew») zu Füßen lagen. Ob Zeffirelli, der bei Luchino Visconti als Bühnenbildner anfing, an der Scala, Met oder Covent Garden inszenierte, ob er Opernfilme (wie «Otello» mit Plácido Domingo) oder Schmachtfetzen über Franz von ...
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Opernwelt August 2019
Rubrik: Erinnerung, Seite 63
von Albrecht Thiemann
Als Violetta sich am Ende ihrer Vergangenheit erinnert, zieht im hörbaren Hintergrund ein Karnevalszug vorbei: «Addio del passato». Es ist eine treffliche Pointe, dass uns Katharina Gault die im Schlussbild von «La traviata» unsichtbare Spaßgesellschaft vorab in den beiden großen Massenszenen der Oper in farbenprächtiger Deutlichkeit vor Augen führt – als...
Den Deutschen sind zwei große Komponisten abhandengekommen. Georg Friedrich Händel annektierten die Engländer, nannten ihn George Frideric Handel. Und Jacob wurde in Paris zu Jacques Offenbach. Die Rückkehr beider ins Vaterland erfolgte nach ihrem Tod und über Umwege. Wobei Händel in der alten Heimat heute mehr gelitten ist als der Urvater der Operette. Ein Indiz:...
Dem Teufel von der Schippe zu springen, das war in alten Zeiten nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Wer sich einmal mit ihm eingelassen hatte, dessen Seele war unrettbar verloren. Aber dann gab es da ein gewisses «Marijken van Nieumeghen», von dessen Schicksal ein niederländisches Mysterienspiel aus dem frühen 16. Jahrhundert erzählt. Das zunächst tugendhafte...
