Graue Katzen
Der Ort? Schön ist er nicht. Aber ein Technoclub folgt bekanntlich anderen ästhetischen Normen und Idealen als ein Theater oder gar ein Opernhaus. Er kann dunkel, metallisch, kalt und leer sein, das ist völlig egal. Ihre Aura gewinnt eine solche Location erst in der Nacht, wenn alle Katzen grau sind, wenn die Beats hämmern, die Lichtkegel tanzen und die Leiber im Dickicht des Untergrunds zucken. Was allerdings während der Pandemie kaum möglich, ja, eigentlich ausgeschlossen war.
Was mit den jungen Menschen, für die ein Wochenende ohne Club im Grunde ein verlorenes war, passiert ist während dieser Zeit, das ist Thema von «Isolation Club», einer Kammeroper mit Beats von Florian Stanek und Sebastian Brandmeir – als Auftragswerk der Theater Chemnitz, gefördert vom Deutschen Literaturfonds im Rahmen der Initiative «Neustart Kultur». Die Geschichte, die darin erzählt wird, führt zwei Youtuber zusammen, deren Träume durch Corona zu zerplatzen drohen: Hannah (Marlen Bieber) hat einen «Quarantäne-Blog» und nach eigener Auskunft 400.000 Follower, die ihre Mutmacher-Parolen genießen, ist aber trotzdem kreuzunglücklich in ihrer Einsamkeit. Paul (Felix Rohleder) ist zwar ebenfalls Tag und ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Magazin, Seite 99
von Jürgen Otten
An der Wende zum 20. Jahrhundert entdeckte auch Italien die Tiefen des Russischen Reichs. Kurz vor dem Erfolg der «Ballets Russes» in Paris waren Dostojewskis und Tolstois Romane übersetzt worden. Nicht viel hätte gefehlt und die erste Oper mit dem Titel «Aus einem Totenhaus» wäre nicht 1928 von Janáček, sondern von Puccini oder dem neun Jahre jüngeren Giordano...
«Di Lete all’altra sponda, ombra compagna anch’io voglio venir con te», sehnt sich Andromeda am Leichnam des Perseus. Es ist die unauslöschliche Hoffnung eines Menschen, dem das Liebste genommen wurde: dass der Abschied nicht endgültig sei, dass es vielmehr gestattet werde, den Heimgegangenen als Schatten zum anderen Ufer der Lethe zu begleiten. Lisette Oropesa hat...
Es gibt Künstler, deren Ästhetik wie Œuvre relativ homogen, wenn nicht gar monolithisch wirken: Bei aller Entwicklung, auch Variabilität, wirken sie quasi einschichtig, kaum durch Brüche, Widersprüche gefährdet. Was hohe Komplexität keineswegs ausschließt. Komponisten wie Mussorgsky, Bruckner, Webern, Varèse eindimensional zu nennen, käme einem schwerlich in den...
