Gold, Rausch, heiliger Wahn
Geschichten gibt’s, die gibt es eigentlich gar nicht. Es sei denn, die illustre, skurrile Runde der Serapions-Brüder hat wieder einmal ein Treffen anberaumt, um dem Phantastischen weiten Raum zu gewähren. Aus den Treffen dieser von E. T. A. Hoffmann «gegründeten» Gesellschaft literarisch bewanderter Freunde gingen so namhafte Erzählungen wie «Nussknacker und Mausekönig», «Die Bergwerke zu Falun» oder «Meister Martin der Küfner und seine Gesellen» hervor. Die vielleicht abgründigste, absurdeste Novelle aber trägt den Titel «Das Fräulein von Scuderi».
Diese, 1819 publiziert, schildert einen Kriminalfall der besonderen Art aus der Zeit des Sonnenkönigs Louis XIV, dem sogar ein Auftritt gewährt wird. Im Mittelpunkt der überaus verzwickten Handlung stehen zwei Personen: die Dichterin Madeleine de Scudéry, «bekannt durch ihre anmutigen Verse», und René Cardillac, ein Goldschmied von höheren Gnaden und niederer Gesinnung, kurzum: ein Künstler und Mörder.
Das ist er auch noch in Paul Hindemiths nach ihm benannter «Oper in drei Akten» von 1926, die in ihren Grundzügen Hoffmanns phantastischer Novelle folgt, jedoch einige signifikante Differenzen aufweist: Das Fräulein von Scuderi (im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten
Param Vir, indisch-britischer Komponist, ist schon 1992 bei der seinerzeit von Hans Werner Henze geleiteten Münchener Biennale in Erscheinung getreten mit zwei Operneinaktern, in denen es um buddhistische Fabeln ging. Danach erschienen im großen Abstand zwei weitere Musiktheaterwerke und nun in Bonn eine neue Oper über Siddhartha Gautama und seinen Weg zum Buddha....
Wenn im vierten Akt der «Morgiane» die Heldinnen und Helden sich im Kerker des Sultans von Isfahan wiederfinden, gelingen dem Komponisten Momente von hoher Dichte und Intensität. Kourouschah hatte die junge Amine bei ihrer Hochzeitsfeier im ersten Akt gewaltsam entführen lassen, um sie nach Despotenart zu seiner Frau zu machen – nicht wissend, dass es sich um seine...
Für das stetig anwachsende Interesse an der französischen Oper des 18. Jahrhunderts gibt es zahlreiche und vielfältige Gründe. Einer der wichtigsten ist wohl das Engagement des Centre de musique baroque de Versailles, das nicht nur exzellente Editionen bisher kaum beachteter Bühnenwerke herausgibt, sondern ganz bewusst auch Aufnahmen dieser Raritäten initiiert und...
