Gold, Rausch, heiliger Wahn

Meiningen und Zürich holen Hindemiths «Cardillac» 100 Jahre nach der Uraufführung wieder aus der Versenkung. Musikalisch ist es da wie dort eine Offenbarung

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Geschichten gibt’s, die gibt es eigentlich gar nicht. Es sei denn, die illustre, skurrile Runde der Serapions-Brüder hat wieder einmal ein Treffen anberaumt, um dem Phantastischen weiten Raum zu gewähren. Aus den Treffen dieser von E. T. A. Hoffmann «gegründeten» Gesellschaft literarisch bewanderter Freunde gingen so namhafte Erzählungen wie «Nussknacker und Mausekönig», «Die Bergwerke zu Falun» oder «Meister Martin der Küfner und seine Gesellen» hervor. Die vielleicht abgründigste, absurdeste Novelle aber trägt den Titel «Das Fräulein von Scuderi».

Diese, 1819 publiziert, schildert einen Kriminalfall der besonderen Art aus der Zeit des Sonnenkönigs Louis XIV, dem sogar ein Auftritt gewährt wird. Im Mittelpunkt der überaus verzwickten Handlung stehen zwei Personen: die Dichterin Madeleine de Scudéry, «bekannt durch ihre anmutigen Verse», und René Cardillac, ein Goldschmied von höheren Gnaden und niederer Gesinnung, kurzum: ein Künstler und Mörder.

Das ist er auch noch in Paul Hindemiths nach ihm benannter «Oper in drei Akten» von 1926, die in ihren Grundzügen Hoffmanns phantastischer Novelle folgt, jedoch einige signifikante Differenzen aufweist: Das Fräulein von Scuderi (im ...

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Opernwelt April 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten

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