Glitz und Tücke

Monteverdi: L’incoronazione di Poppea Wien / Theater an der Wien

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Das Stück zieht sich immer wieder die Maske eines verbindlichen Lächelns über. Doch dahinter zeigt Monteverdis Altersoper «L’incoronazione di Poppea» ihr wahres Gesicht – und das trägt die Züge von Willkür, Tücke, Zynismus, Grausamkeit. Ein weit angelegter Bilderbogen menschlichen (Miss-)Verhaltens aus der Perspektive des Eros. Dabei versagt sich das Werk – mancher mag es als besonders perfide empfinden – jegliche moralische Wertung; es gibt keine «Guten» und «Bösen», sondern schlicht den Status quo.

Etwa bei Nerone, von dem man nicht erst seit Peter Ustinovs Darstellung in «Quo vadis» weiß, dass er ziemlich plemplem und maßlos von sich überzeugt war. Im Theater an der Wien macht Valer Sabadus in der Charakterisierung kurz vor Conchita Wurst Halt; er gibt sich Mühe, aus der Beziehung zu Poppea erotisch Funken zu schlagen (obwohl er’s im Grunde lieber mit seinem Freund Lucano triebe). Stimmlich bezaubert er zunächst, aber die Magie ist limitiert – im letzten Akt scheint er seiner doch etwas aufs Stauen ausgerichteten Technik Tribut zollen zu müssen; die Stimme wirkt müde. Freilich passt das wiederum ganz gut zur Situation der Ermattung, die in Claus Guths Inszenierung über die ...

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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Gerhard Persché

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