Gewaltakt
Von diesem Abend behält man vor allem den Raum in Erinnerung. Ralf Käselau hat, mit einfachsten Mitteln, aber szenisch wirkungsvoll, bei offenem Vorhang eine Art Zirkusarena auf die Bühne gebaut und sie, leicht versetzt, über den hochgefahrenen Graben bis in den Zuschauerraum vorgezogen. Das kleine Orchester sitzt abseits links an der Wand, der Dirigent steht mit dem Rücken zur Szene, hinter ihm ist eine gemalte Wüstenlandschaft zu sehen.
Lorenzo Fioroni, der ursprünglich vorgesehene Regisseur, liebt es, die Artifizialität der Oper durch Ausblicke in scheinbar naivere Formen wie das Kasperletheater oder den Zirkus zu erden und zugleich zu verfremden. Georg Schütky, der nach Fioronis privat bedingter Absage die Inszenierung übernahm, war mit dieser Aufgabe sichtlich überfordert.
Rameaus «Zoroastre», die vierte und unbekannteste seiner fünf großen Tragédies en musique aus dem Jahr 1756, macht es der Regie allerdings auch schwer. Statt wie gewohnt in die griechische Mythologie, versetzt uns die Handlung in dezidiert aufklärerischer Absicht ins antike Persien, wo ein symbolischer Machtkampf zwischen Gut und Böse, Licht und Finsternis, Monotheismus und Aberglauben tobt, verkörpert ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Uwe Schweikert
Hommage aux Hellènes» setzte der heute kaum noch bekannte Michel Pichat als Motto über seine fünfaktige Tragödie «Léonidas», die – mit dem großen Schauspieler Talma in der Titelrolle – ihre spektakuläre Premiere im November 1825 am Théâ-tre-français hatte. Da stand die Begeisterung für den Freiheitskampf der Griechen auf ihrem Kulminationspunkt. Als in den...
Fünf Grad, Regen, Wind: Wir wissen nicht, wie viele Demonstranten sich bei anderem Wetter eingefunden hätten. So bleibt es bei einem halben Dutzend in der Hofstallgasse, das der vorbeihastenden Gala-Gemeinde ein «Netrebko, no stage!» entgegenruft. Vielleicht ist es auch ein Symptom. Auftritte der Diva sind, zumindest im südlicheren Europa, inzwischen fast...
Verträgt sich die Perspektive der musikalischen Romantik auf Meisterwerke der Vergangenheit mit dem Zugriff der Historischen Aufführungspraxis? Mendelssohns Bach-Bild in seiner Rekonstruktion der «Matthäus-Passion» oder Mahlers Retuschen von Beethovens neunter Symphonie scheinen aus heutiger Sicht doch eher Verschlimmbesserungen gewesen zu sein, die weit mehr über...
