Gewaltakt
Von diesem Abend behält man vor allem den Raum in Erinnerung. Ralf Käselau hat, mit einfachsten Mitteln, aber szenisch wirkungsvoll, bei offenem Vorhang eine Art Zirkusarena auf die Bühne gebaut und sie, leicht versetzt, über den hochgefahrenen Graben bis in den Zuschauerraum vorgezogen. Das kleine Orchester sitzt abseits links an der Wand, der Dirigent steht mit dem Rücken zur Szene, hinter ihm ist eine gemalte Wüstenlandschaft zu sehen.
Lorenzo Fioroni, der ursprünglich vorgesehene Regisseur, liebt es, die Artifizialität der Oper durch Ausblicke in scheinbar naivere Formen wie das Kasperletheater oder den Zirkus zu erden und zugleich zu verfremden. Georg Schütky, der nach Fioronis privat bedingter Absage die Inszenierung übernahm, war mit dieser Aufgabe sichtlich überfordert.
Rameaus «Zoroastre», die vierte und unbekannteste seiner fünf großen Tragédies en musique aus dem Jahr 1756, macht es der Regie allerdings auch schwer. Statt wie gewohnt in die griechische Mythologie, versetzt uns die Handlung in dezidiert aufklärerischer Absicht ins antike Persien, wo ein symbolischer Machtkampf zwischen Gut und Böse, Licht und Finsternis, Monotheismus und Aberglauben tobt, verkörpert ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Uwe Schweikert
Als im Februar 2022 – als Resultat einer halbhundertjährigen editorischen Herkulesarbeit – der letzte Band der Kritischen Ausgabe «Sämtlicher Werke» Hugo von Hofmannsthals erschien, war eine der größten bibliografischen Lücken in der Wunderkammer der Weltliteratur geschlossen und ein Œuvre erfasst, welches in seiner stilistischen, semiotischen und literarischen...
Was das vom französischen Staat geförderte Centre de musique baroque de Versailles im großen Stil für die Wiederentdeckung der französischen Barockmusik leistet, findet hierzulande im Engagement des Osnabrücker cpo-Labels und seines Produzenten Burkhard Schmilgun für die deutschsprachige Barockoper seit Jahrzehnten zwar nur ein bescheidenes, aber dennoch...
Nach seinem kraftvoll-romantisierenden Doppelpack mit Tschaikowskys «Iolantha» und Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» in der Spielzeit 2015/16 kehrte Mariusz Treliński nun – im Rahmen einer Koproduktion mit dem Warschauer Teatr Wielki – als Regisseur von Verdis «La forza del destino» zurück an die Met. Und wie kaum anders zu erwarten, erzählt Treliński die Oper als...
