Geschlossene Gesellschaft
Die sommerlichen Opernfestspiele in Heidenheim gehören zu den ältesten Festivals des Bundeslandes Baden-Württemberg, dümpelten aber jahrzehntelang recht glanzlos und ohne künstlerische Ausstrahlung vor sich hin – zuletzt unter dem wenig inspirierenden Schweizer Dirigenten Marco-Maria Canonica. Dem aus Heidenheim gebürtigen Marcus Bosch – damals Aachener, später Nürnberger GMD –, der 2009 die Leitung übernahm, ist es schnell gelungen, das Profil zu schärfen.
Im ehemaligen Rittersaal der Burgruine Hellenstein finden Open-Air-Aufführungen statt, die sich zwar nicht mit dem spektakulären landschaftlichen Panorama des Bodensees, musikalisch inzwischen aber durchaus mit den ungleich renommierteren Bregenzer Festspielen messen können. Dieses Jahr stand Wagners «Tannhäuser» auf dem Programm. Im Ausweichquartier des ebenfalls auf dem Hellenstein gelegenen Congress-Centrums hat Bosch 2016 das Langzeit-Projekt einer Gesamtaufführung von Verdis Frühwerk gestartet, das in diesem Jahr mit «I due Foscari» die sechste Oper erreichte. Wie ihre Vorgängerinnen wurde auch sie live mitgeschnitten und wird beim Label Coviello als CD erscheinen.
Wie fast alle frühen Verdi-Opern sind auch die «Foscari» ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 36
von Uwe Schweikert
Ein Palast im fernen Morgenland, mit einem älteren Herrscher und einer jungen Sklavin; ein Gärtner, der die Schöne mit ihrem verschollen geglaubten Liebhaber zusammenführt; eine gescheiterte Flucht, unerwartete Wendungen und ein glückliches Ende: Unweigerlich denkt man da an Wolfgang Amadeus Mozarts «Entführung aus dem Serail». Aber auch Gioachino Rossini vertonte...
Frau Willis-Sørensen, glauben Sie an Wunder?
(lacht) O ja! Schauen Sie nach draußen, die Natur ist der beste Beweis dafür: Nach einem Winter kommt der Frühling. Und solche kleinen Wunder passieren täglich, sie helfen uns, nicht so hoffnungslos durch die Welt stolpern zu müssen.
Müssen die Wunder religiöser Natur sein, oder dürfen es auch einfach nur Wunder der...
In Wien waren die Grenzen zwischen Kunst- und Unterhaltungsmusik seit jeher durchlässig. Wolfgang Amadeus Mozart beispielsweise musste als «k. und k. Kammer-Kompositeur» Tänze für die Karnevalsbälle in den Redoutensälen der Hofburg liefern; er tat es mit derselben verschwenderischen Sorgfalt, wie wir sie aus seinen größeren Instrumentalwerken kennen. Auch der junge...
