Geschlossene Gesellschaft
Die sommerlichen Opernfestspiele in Heidenheim gehören zu den ältesten Festivals des Bundeslandes Baden-Württemberg, dümpelten aber jahrzehntelang recht glanzlos und ohne künstlerische Ausstrahlung vor sich hin – zuletzt unter dem wenig inspirierenden Schweizer Dirigenten Marco-Maria Canonica. Dem aus Heidenheim gebürtigen Marcus Bosch – damals Aachener, später Nürnberger GMD –, der 2009 die Leitung übernahm, ist es schnell gelungen, das Profil zu schärfen.
Im ehemaligen Rittersaal der Burgruine Hellenstein finden Open-Air-Aufführungen statt, die sich zwar nicht mit dem spektakulären landschaftlichen Panorama des Bodensees, musikalisch inzwischen aber durchaus mit den ungleich renommierteren Bregenzer Festspielen messen können. Dieses Jahr stand Wagners «Tannhäuser» auf dem Programm. Im Ausweichquartier des ebenfalls auf dem Hellenstein gelegenen Congress-Centrums hat Bosch 2016 das Langzeit-Projekt einer Gesamtaufführung von Verdis Frühwerk gestartet, das in diesem Jahr mit «I due Foscari» die sechste Oper erreichte. Wie ihre Vorgängerinnen wurde auch sie live mitgeschnitten und wird beim Label Coviello als CD erscheinen.
Wie fast alle frühen Verdi-Opern sind auch die «Foscari» ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 36
von Uwe Schweikert
Die Würdigung kam spät. Und vermutlich überraschte sie denjenigen, dem sie galt, am allermeisten. Nie je hatte der Komponist Hans-Joachim Hespos viel Aufhebens um seine Arbeit gemacht, das lag einfach nicht in seinem Naturell. Dazu muss man wissen, dass er aus dem ostfriesischen Städtchen Emden stammt, wo er am 13. März 1938 geboren wurde, aus einer Gegend also, wo...
Es gibt dieses Bild. Ein Ölgemälde, gemalt hat es Paul von Joukowsky, ein Freund der Familie, im Jahre 1880. Es zeigt die Porträtierte, vor historisierend anmutender Samtportiere, in einem kostbaren Maharadscha-Gewand, als würdevolle Fürstin. Die Haltung ist stolz, der Blick offen, klar, direkt, wenngleich: eine Spur festgehalten, wie der strenge Mittelscheitel,...
Am Morgen schien die Sonne. Beim Festakt zum Auftakt der Bregenzer Festspiele sprachen alle würdig, ernst. Von Kunst in Zeiten des Krieges, der Conditio humana. Bundespräsident Alexander Van der Bellen mahnte, dass man sich von einem Diktator nicht spalten lassen dürfe, «weder in Österreich noch in der Europäischen Union». Es erklangen Auszüge aus Tschaikowskys...
