Geschwisterliebe
Sie waren füreinander geschaffen – als Schwester und Bruder, in platonischer Zuneigung verbunden, nie jedoch als Traumpaar à la Sieglinde und Siegmund. Fanny und Felix Mendelssohn bildeten zeitlebens ein nicht nur munter-vergnügtes, sondern darüber hinaus auch innig miteinander verbandeltes Geschwistergespann. Und glaubt man den brieflichen Äußerungen, die zwischen ihnen hin und her wogten, darf man annehmen, dass Fanny ihrem Felix seine staunenswert-steile Karriere nicht eine Sekunde lang neidete.
Gründe dazu hätte sie anführen können; vor allem die Tatsache, dass Vater Abraham Mendelssohn entschieden hatte, eine musikalische Hochbegabung in der Familie müsse wohl genügen – die von Felix.
Musikwissenschaftler streiten seither im Konjunktiv miteinander: Was wäre gewesen, hätte Fanny sich wie ihr Bruder frei «entwickeln» dürfen? Wäre sie auch zu solchen Höhenflügen aufgebrochen, wie sie Felix schon in seinem frühen Oktett und den Jugendsymphonien unternahm? Und hätte sie solche Stücke wie die «Hebriden-Ouvertüre» (von der Johannes Brahms einmal sagte, er würde für dieses Wunderwerk sein gesamtes Œuvre opfern), den «Elias» und den «Paulus» sowie die A-Dur-Symphonie (die ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 44
von Jürgen Otten
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