Gemogelt wird nicht

Das London Symphony Orchestra legt einen Konzertmitschnitt von Verdis «Otello» unter Sir Colin Davis vor

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Der erste Eindruck, der sich im Verlauf der ungeheuerlichen, mit paramusikalischen Klängen unterlegten Sturmszene einstellt: dass der 82-jährige Colin Davis im Dezember 2009 mit dem London Symphony Orchestra wohl – gefühlte Zeit – die «schnellste» Aufführung von Verdis «Otello» geleitet hat. Sie hat einen ähnlichen rhythmischen Drive wie die legendäre Aufführung unter Arturo Toscanini, die tatsächlich – wohl wegen des kürzeren Nachhalls des NBC-Studios – noch rascher ist, aber agogisch flexibler und spannungsreicher in den Interaktionen der Figuren.



In der Titelpartie ist mit Simon O’Neill ein rein tenoraler Otello zu hören – wie es der Sänger der Uraufführung war, Francesco Tamagno. Er bewältigt die Partie stimmlich souverän. Der Neuseeländer bringt den für die Partie erforderlichen Höhenglanz mit, nicht aber jene dunklen und düsteren Farben, die auch den rein tenoralen Stimmen von Martinelli oder auch Jussi Björling (auf dessen Aufnahme des Schwurduetts er sich im Interview in OW 11/2010 berief) eigen war. Beachtlich gut gelingt ihm der «mächtige Siegesausruf» (Verdi) des «Esultate!», auch wenn er im zehnten Takt nach dem hohen A auf der ersten Silbe des Wortes «l’ar-mi» Atem ...

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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Medien/CD, Seite 16
von Jürgen Kesting

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