Geist und Trieb
Kadmos, der Gründer Thebens, ist als König zurückgetreten. Nachfolger wird sein Enkel, der sinnenfeindliche Asket Pentheus, dem das Volk davonläuft, weil es den Orgien des Dionysos erliegt. Alle Verbote sind vergeblich, selbst Pentheus’ Mutter Agaue folgt den Verlockungen des Rauschgottes. Als Pentheus, im Gewand der Mutter, schließlich selbst den Berg Kytheron besteigt und an den sexuellen Ausschweifungen teilnimmt, hetzt Dionysos die Bassariden – die fuchsfelltragenden Mänaden – auf ihn, und er wird von Agaue, die ihn im orgiastischen Wahn für einen Löwen hält, enthauptet.
Erst am nächsten Morgen erkennt sie, dass sie ihren Sohn getötet hat. Dionysos triumphiert.
Im Libretto des Autorengespanns W. H. Auden/ Chester Kallman zu Hans Werner Henzes zweistündigem, 1966 in Salzburg uraufgeführtem Operneinakter «Die Bassariden» liest sich das recht verworren. Da wird nicht nur die antike Vorlage, «Die Bakchen» des Euripides, bis in die Moderne verlängert und der religiöse Machtkampf tiefenpsychologisch gedeutet, sondern der Text selbst von ausufernden Szenenanweisungen und Figurenbeschreibungen geradezu erdrückt. Frank Hilbrich und sein Bühnenbildner Volker Thiele ignorieren in ihrer im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Uwe Schweikert
Fast ist es nun komplett, das monumentale, auf sechs Bände angelegte Beethoven-Handbuch im Laaber Verlag. Auf die ersten vier, im Wesentlichen nach Gattungen geordneten Bände soll ein Buch über «Beethovens Welt» folgen. Das abschließende Lexikon ist als Erstes erschienen und liegt bereits seit 2008 vor. Dem jüngst veröffentlichten Band über Beethovens Vokalmusik...
Wenn eine Sopranistin unserer Zeit mit besonderer Emphase als «Mozart-Sängerin» bezeichnet werden kann, dann Dorothea Röschmann. Obwohl sie ein breites Repertoire beherrscht, neben Agathe («Freischütz») auch die Marschallin («Rosenkavalier») oder Elsa («Lohengrin») singt, stehen die großen Sopranpartien Mozarts bis heute im Mittelpunkt ihres Wirkens. Nach einigen...
Die Frage stellt sich immer wieder: Kann man Händels Oratorien als Musiktheater behandeln? Oder sind sie doch auf der Konzertbühne besser aufgehoben? Dass seine späten Werke – und dazu gehört «Theodora» – bühnentauglich sind, bewies Peter Sellars 1996 in Glyndebourne auf unvergessliche Weise. Die biblische Erzählung wurde bei ihm zum allgemeingültigen Drama. Dawn...
