Gedämpfte Farben
2005 wurde Nina Stemme in der «Opernwelt» zur «Sängerin des Jahres» gewählt. Im selben Jahr war sie Bayreuths vielbewunderte Isolde in Christof Marthalers wenig bewunderter Inszenierung. Die schwedische Sopranistin hat es klug vermieden, sich danach als Wagner-Stimme abstempeln zu lassen.
Statt landauf, landab als Isolde oder Sieglinde zu gastieren oder gar, was ihr sicherlich sofort angeboten wurde, Elektra oder Brünnhilde zu versuchen, gab sie in Zürich Verdis Aida und Strauss’ Feldmarschallin, blieb in Genf bei der «Tannhäuser»-Elisabeth und sang in Göteborg eine überragende Arabella. Von all dem haben wir mit Interesse berichtet. Nun legt sie bei EMI ihr erstes Solo-Rezital vor, das ganz Richard Strauss gewidmet ist und durch den aufreizenden Vergleich mit Kirsten Flagstad vermarktet wird.
Es beginnt mit einer Enttäuschung. Die Schlussszene von «Salome» liegt Nina Stemme denkbar fern. Es fehlt nicht nur an Bühnenerfahrung mit der komplexen Rolle. Es fehlt an raffinierter Sprachbehandlung und innerer Glut. Nicht einmal, wenn Salome die Zunge des Propheten Jochanaan lustgeil und ängstlich als «Scharlachnatter» beäugt und besingt, lässt sich Nina Stemme aus der Reserve locken. Das ...
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In den Garten am Hang hinterm Bungalow schüttet der Siegerland-Regen. Reinhard Goebel rutscht auf seinem Biedermeierstuhl herum. «Ich bin kein Opernmensch!», sagt der Mann, der gerade Michael Haydns Salzburger Festoper «Andromeda und Perseus» für die CD und Piccinnis «Catone in Utica» im Nationaltheater Mannheim dirigiert hat. Musikalische Vorlieben, wie sie Goebel...
In Riga hatten es die Werke des einstigen Kapellmeisters Richard Wagner (er amtierte am längst zerstörten Stadttheater) nicht gerade leicht – der letzte zyklische «Ring» liegt gut hundert Jahre zurück. In den Spielplänen der vergangenen Jahrzehnte taucht der Name Wagner nur spärlich auf. Und wenn es doch mal einen «Holländer» oder «Lohengrin» gab, so im...
Für die Toulouser Neuproduktion von «Tristan und Isolde» baute Andreas Reinhardt eine dreiteilige Bühnenfläche bis nach vorn an die Rampe. Da sich der erste Akt bekanntlich auf dem Meer abspielt, wankten und schwankten die drei spitzwinkligen Formen mal weniger, mal heftiger, so dass man denken konnte, alsbald müssten die Protagonisten seekrank sein. Solche...
