Geckentheater
Am Ende holt ihn der eigene Alptraum ein: Baculus liegt in seinem Blut, erschossen wegen eines angeblich gewilderten Rehbocks! Von einem Doppelgänger verfolgt fühlt sich der Schulmeister schon in der Ouvertüre, schlussendlich erliegt er wohl der eigenen Fantasie. Zwischen Anfang und Ende dieser lang ersehnten, seit 43 Jahren ersten Dresdner Neuproduktion des «Wildschütz» war manch Angenehmes zu hören, doch wenig Anregendes zu sehen.
Denn bis auf diese eine Idee gab Regisseur Jens-Daniel Herzog nicht wirklich preis, was er mit dieser hintersinnig-prickelnden Komischen Oper heute erzählen will.
Vermutlich auch deshalb wird in seiner Inszenierung hemmungslos chargiert, kein noch so abgestandener Theater-Gag ausgelassen: Da knallen Türen gegen Köpfe, wird gestolpert, an Hauswände gepinkelt und das für die berühmten 5000 Taler verscherbelte Gretchen von den feilschenden Männern en passant niedergestreckt. Ach ja – es ist und bleibt das Komische, das so schwer zu machen ist! Man vermisst nicht nur ein Gespür für die Ironie und Doppeldeutigkeiten dieses Verwirrspiels der Gefühle, sondern vor allem für das Tempo der Szenen. Ganz abgesehen davon, dass die Pseudo-Laszivität zweier ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Bettina Volksdorf
Pietro Mascagnis zweite Oper «L’amico Fritz» mag als veristisches Leichtgewicht oder gar als Operette verschrien sein – der Komponist fuhr mit seiner commedia lirica einst triumphale Erfolge ein. Kein Jahr nach der Uraufführung im römischen Teatro Costanzi 1891 fand sich der Dreiakter auf zahlreichen europäischen Opernbühnen. Erst zur Zeit des Faschismus fiel das...
«Wenn nur die Rezitative nicht wären! Wer widerstünde der bleiernen Langeweile, die sie verbreiten?» In Richard Strauss’ «Capriccio» trifft der Graf einen wunden Punkt: Rezitative sind musikalisch weniger prägnant als die eigentlichen «Nummern». Das Problem ist so alt wie die Oper selbst. Bereits am Anfang des 17. Jahrhunderts verband man den «stile recitativo» mit...
Sternstunden modernen Bauens bieten sich in Tschechien eher selten. Immerhin lässt sich die «hybride» Gestalt des Antonín Dvorák Theaters in der ostmährischen Industriestadt Ostrava goutieren: Das sanft-unaufdringlich vom stalinistischen Klassizismus markierte Hauptgebäude streckt seine Schaufront der Stadt zu, während die neuen Anbauten sich bescheiden rückwärts...
