G'schnitt'ne Nudeln
Auf dem Cover seiner Einspielung des «Idomeneo» scheint Simon Rattle – mit geschlossenen Augen, Daumen und Zeigefinger der rechten Hand zur Geste des «Superb!» geformt – verzückt ein delikates Gericht zu verkosten. Assoziativ denkt man an Wolfgang Hildesheimers Befremdung (in seiner Mozart-Biographie), dass am Hofe des Salzburger Erzbischofs «die Musik – gleichsam als Tafelfreude – der Küche unterstand».
Denn der Graf Arco (legendär durch seinen wenig vornehmen Tritt in Mozarts postérieur) war als Oberküchenmeister des Hauses auch für das musikalische Entertainment zuständig. Die Allianz von Gaumen und Ohr war bei diesen Festen ja unabdinglich und spiegelt sich gewissermaßen auch in Mozarts Küchenjargon, wenn er im Zusammenhang mit Anton Raaff, dem ersten Idomeneo, und dessen Koloraturfertigkeit von «g’schnittnen Nudeln» spricht.
Mit «Idomeneo» hatte Graf Arco freilich nur insoweit zu tun, als seine rüde Intervention am Komponisten in historischer Nachbarschaft zur Uraufführung stand (am 29. Januar 1781 in München, der Tritt erfolgte am 9. Juni in Wien). Aber der Erfolg dieser Oper hatte zweifellos Mozarts Reputation und sein Ego gestärkt und damit die Entfremdung des Komponisten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2025
Rubrik: Medien, Seite 33
von Gerhard Persché
Dem Namen des heute vergessenen italienischen Barockkomponisten Geminiano Giacomelli ist der interessierte Hörer erstmals 2009 auf Cecilia Bartolis CD «Sacrificium» begegnet. Damals sang Bartoli die Arie des Epitide «Sposa, non mi conosci» aus Giacomellis «Merope» – Musik mit Suchtcharakter, die daran erinnert, dass aus derselben Oper auch die Arie «Quell’usignolo»...
Falstaffs Bauch wird nicht bloß behauptet. In aller Immensität quillt er Simon Keenlyside über den Gürtel. Der hockt in einer gemütlich heruntergekommenen Bar, ungefähr in den 1960er-Jahren, und schmiedet Pläne, wie er sein Shilling- und Fraueneroberungskonto aufbessern könnte. Und wenn ihm dabei einmal mehr aufgeht, was für ein grandioser Kerl er doch ist, dann...
Fürst Leopold II. von Lippe war ein Theaterenthusiast. Noch zierte kein würdevoller Säulenportikus die Hauptansicht seines neuen Hoftheaters, auch die Außenwände standen unverputzt. Doch hob sich auf Befehl des Landesherrn am 8. November 1825 der Vorhang zur Einweihung des Hauses mit Mozarts «La clemenza di Tito». Das Auditorium im hochklassizistischen Musentempel...
