Großes Klangkino
Das Schicksal ist zur Marke verkommen: Auf den Shirts von Manon Lescaut und Renato Des Grieux prangt das Wort «Destino». Will sagen: Bei der Liebe auf den ersten Blick richtet sich das Auge nicht mehr auf den Körper, sondern aufs Design. Stilistisch passt es zusammen, die Erotik wird sich schon einstellen. Dass es dann doch nicht gut geht, liegt vor allem am Markenfetischismus des Geldbeutels, dem sich auch Manon nicht zu entziehen vermag.
Puccinis Oper, die ihren Namen im Titel trägt, spielt am Theater Heidelberg im Mafiamilieu.
Zwielichtige Herren mit Sonnenbrillen verzocken ihr Geld in einem unter Straßenniveau liegenden Spielkeller. Oben liegt das Hotel, in dem das weibliche Fleisch vertickt wird, wo Lescaut (heldenbaritonal schön singend: Giorgos Kanaris) seine Schwester an den schmierigen Obermafioso Geronte (knarzig tönend: Wilfried Staber) verkauft. Die vor dem Spielklub lungernde Jugend möchte gern Teil dieser faszinierenden Halbwelt sein, muss sich aber mit musikalischen Unterhaltungsnummern begnügen, eine Art Gangnam-Style im Puccini-Rhythmus. Allerdings knirscht es im Gebälk, wenn die Lyrik von Des Grieux mit Puccinis Musik als Hip-Hop-Gezappel ausgeführt wird.
Dagegen ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Bernd Künzig
Zum ersten Mal habe ich Gabriel Feltz in Hamburg wahrgenommen. Das war 1991, während der Proben zu John Neumeiers Inszenierung von Bernsteins Musical «On the Town». Feltz, 20 Jahre jung, war damals Assistent des Generalmusikdirektors Gerd Albrecht und saß bei den Bühnenproben als Korrepetitor im Orchestergraben. Zu seinen Aufgaben gehörte es, uns Aushilfssänger,...
Man(n) trägt Perücke. Irgendwann im ersten Akt lässt sich auch der Kritiker von einer Mitwirkenden eine solche andienen: Modell mondäne Allongeperücke, ins Horizontale gerückt. Jetzt gehört man also dazu, zu Mahagonny, dieser seltsamen Stadt, in der man schon auf dem Vorplatz des Theaters Basel begrüßt wurde: «Willkommen in Mahagonny, willkommen daheim». Daheim?
Ir...
Am Ende dann noch die Taube. Sie hört gar nicht mehr auf zu flattern, und für Ironiesignale ist es schon zu spät: Susanne Kennedys «Parsifal»-Inszenierung an der flämischen Oper ist längst in reinen, irgendwie spirituellen Kitsch abgebogen. Der neue Gralskönig bekommt, lächelnd, eine Himmelfahrt, sein Vorgänger darf sich endlich zum Sterben hinlegen. Die...
