Funkelndes Kleinod
Die Güte Gottes? Scheint unermesslich. Zumindest in dieser Geschichte aus dem ersten Buch Mose, die mit größtmöglicher Empathie das Schicksal einer jüdischen Familie schildert. Deren Oberhaupt, der greise Tobit, gerät, weil er tote Israeliten bestattet, mit den herrschenden Assyrern in Ninive aneinander und erblindet. Auch Sara, die Tochter eines Verwandten, leidet: Sieben Verlobte hat der Dämon Aschmodai ihr bereits geraubt, einfach so. Doch der Glaube ist größer als der Jammer.
Und als dann, stellvertretend für den Herrn, auch noch der Engel Rafaël (in verwandelter Gestalt) helfend hinzutritt, wendet sich das Blatt. Sämtliche Dämonen werden vertrieben, Tobit erlangt sein Augenlicht zurück (und entschläft sehr friedlich im Alter von entweder 112 oder zirka 200 Jahren, da ist sich die Bibel etwas unscharf), sein Sohn Tobias ehelicht die schöne Sara und verlässt an ihrer Seite das von der Zerstörung bedrohte Ninive.
Ein Sujet, wie geschaffen für – ein Oratorium. Und als solches kam «Il ritorno di Tobia» 1775 in Wien zur (begeistert aufgenommenen) Uraufführung. Das Libretto verfasste Giovanni Gastone Boccherini, der dichterisch wie tänzerisch talentierte Bruder des kompositorisch ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Jürgen Otten
Die Bühne für «Das große Welttheater», ein musikalisches Schauspiel für Sänger, Schauspieler und Musiker nach Pedro Calderón de la Barca, in der Regie von Calixto Bieito, mit dem ich seit 2006 zusammenarbeite, zeigt, was mir viel bedeutet: die Verbindung von Raum, Bewegung und Musik. Und wie kraftvoll diese Synergie wirken kann. Der Raum nicht als statischer Ort,...
Wie oft müsste man leben, um aus dem Tod klug zu werden?» Der Schriftsteller und Philosoph Elias Canetti formulierte diese Frage in seinen zahlreichen Schriften über den Tod, mit dem er haderte, den er am liebsten abgeschafft hätte – «wenn es ginge». Allein, es geht nicht. Bislang. Man weiß nicht, ob Andriy Zholdak ähnlich wie Canetti dem Tod den Krieg erklärt...
«Ins Offene!» Wer hätte gedacht, dass das berühmte Hölderlin-Zitat ausgerechnet im Jahr des Gedenkens an dessen 250. Geburtstag solche Relevanz bekäme. Denn im Freien scheint die Corona-Ansteckungsgefahr am Geringsten zu sein. Was allerdings nicht verhindern konnte, dass schon im Frühjahr wichtige Freiluftfestivals auf dem Covid-19-Altar geopfert wurden. Einige...
