Für Jäger und Sammler
Paul McCreesh gab anlässlich seiner Einspielung von «Paride ed Elena» jüngst der Hoffnung Ausdruck, Gluck möge in zehn Jahren so beliebt sein wie Händel heute. Tatsächlich erlebt der Opernreformator auf Bühnen, Symposien und CD wieder einmal ein Hoch in seiner höchst wechselhaften Konjunkturkurve. Da passt es zum Trend, dass sich Alexander Stoehr und die Neue Düsseldorfer Hofmusik mit dem Prager «Ezio» von 1750 nun auch dem «vorreformatorischen» Gluck zuwenden.
Opernfreunde, die sich für das weite Feld der Selbstentlehnungen interessieren, werden vor allem an Massimos verführerischer Tenor-Arie «Se povero il ruscello» ihre Freude haben. Gluck hat sie zwölf Jahre später aus dem Korsett achttaktiger Perioden und allzu einfacher Kadenzharmonik befreit und als Ballett der seligen Geister im «Orfeo» wieder verwendet. Im «Ezio» (nach dem auch von Händel vertonten Metastasio-Libretto) ist sie einem scheinheiligen Intriganten in den Mund gelegt, der seinem Kaiser das Gift der Verleumdung ins Ohr träufelt. Zwischen Schein und Sein zog Gluck 1750 noch keine strenge Trennungslinie. Der Hörer sollte gemäß barocker Affektenlehre genauso auf Massimos Intrige hereinfallen wie der Kaiser. Mirko ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Manchmal verdanken sich Entscheidungen, die eine ganze Branche umkrempeln, sehr banalen Umständen. Als der niederländische Elektronikriese Philips und sein japanischer Konkurrent Sony Anfang der achtziger Jahre die Entwicklung digitalisierter Aufnahme- und Wiedergabeverfahren so weit vorangetrieben hatten, dass sie kurz vor der Marktreife standen, gab es noch ein...
Dass die amerikanische Regisseurin Mary Zimmerman vor ihrem Debüt an der Met noch nie eine Oper inszeniert hatte, spricht nicht unbedingt gegen sie. Ob ihre bisherige Arbeit mit Schauspielern oder ein siebter Sinn fürs Theater sie auch für das Musiktheater befähigt, steht auf einem anderen Blatt. Nach «Lucia di Lammermoor» muss man sagen: Sie ist diesen Ansprüchen...
Wenn zum Jubiläum eines Orchesters vier voneinander unabhängige Buchpublikationen auf den Markt kommen, muss es sich um einen besonderen Klangkörper handeln. Quod erat demonstrandum, sind es doch die Berliner Philharmoniker, die auf eine hundertfünfundzwanzigjährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Viel mehr als ihren Anlass haben die Bücher allerdings kaum...
