Frischer Wind aus Fernost
Grace Bumbry als «schwarze Venus» und Simon Estes als «schwarzer Wotan» hatten längst das arische Bayreuth erobert, da mussten sich Sängerinnen und Sänger aus Fernost noch immer mit dem Choristen-Dasein begnügen. Echte Weltkarrieren gelangen nur der Chinesin He Hui, der Japanerin Mihoko Fujimura sowie Kwangchul Youn und Samuel Youn aus Korea. Deren Landsfrau Yeonjoo Katharina Jang, die vor vier Jahren ihr Europa-Debüt gab, könnte einen ähnlichen Erfolgsweg gehen.
Sie kommt dem Ideal des wesentlich von Verdi geprägten Stimmfachs soprano spinto sehr nahe und ist gerade für die Gilda eine ausgezeichnete Besetzung. Gekonnt changiert sie zwischen lyrischer Ohnmacht und dramatischer Selbstermächtigung.
Eigentlich müsste die Oper ja auch «Gilda» heißen – ein Titelirrtum, den erst Charles Vidors gleichnamiger Film von 1946 korrigierte, der allerdings in der Hauptrolle eine hypererotische femme fatale vorführt. Nun ist Yeonjoo Katharina Jang keine Rita Hayworth und darf es nicht sein. Konstantin Lee dagegen, ebenfalls aus Südkorea, lässt sich durchaus mit Glenn Ford vergleichen – eine ziemlich harmlose Gestalt, dieser Herzog von Mantua, ganz der Typus jugendlicher Liebhaber ohne den ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Volker Tarnow
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Man schreibt den August 1756, da steht Marianne Pirker als Mandane in Niccolò Jommellis «Artaserse» noch auf der Bühne der Stuttgarter Hofoper. Zwei Wochen später wird sie zusammen mit ihrem Mann, dem Geiger Franz Pirker, verhaftet und – der Willkür des württembergischen Herzogs Carl Eugen ausgeliefert – acht Jahre lang eingesperrt, zunächst auf dem Hohentwiel,...
