Frischer Wind aus Fernost
Grace Bumbry als «schwarze Venus» und Simon Estes als «schwarzer Wotan» hatten längst das arische Bayreuth erobert, da mussten sich Sängerinnen und Sänger aus Fernost noch immer mit dem Choristen-Dasein begnügen. Echte Weltkarrieren gelangen nur der Chinesin He Hui, der Japanerin Mihoko Fujimura sowie Kwangchul Youn und Samuel Youn aus Korea. Deren Landsfrau Yeonjoo Katharina Jang, die vor vier Jahren ihr Europa-Debüt gab, könnte einen ähnlichen Erfolgsweg gehen.
Sie kommt dem Ideal des wesentlich von Verdi geprägten Stimmfachs soprano spinto sehr nahe und ist gerade für die Gilda eine ausgezeichnete Besetzung. Gekonnt changiert sie zwischen lyrischer Ohnmacht und dramatischer Selbstermächtigung.
Eigentlich müsste die Oper ja auch «Gilda» heißen – ein Titelirrtum, den erst Charles Vidors gleichnamiger Film von 1946 korrigierte, der allerdings in der Hauptrolle eine hypererotische femme fatale vorführt. Nun ist Yeonjoo Katharina Jang keine Rita Hayworth und darf es nicht sein. Konstantin Lee dagegen, ebenfalls aus Südkorea, lässt sich durchaus mit Glenn Ford vergleichen – eine ziemlich harmlose Gestalt, dieser Herzog von Mantua, ganz der Typus jugendlicher Liebhaber ohne den ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Volker Tarnow
Mit dem Thema «Balzac und das Lied» wäre nichts zu holen, meint Romain Benini im Booklet des Albums «Chansons Balzaciennes», vergisst jedoch, dass Musik im Œuvre des großen französischen Epikers durchaus von Bedeutung ist. Allerdings ließe sich damit eine Schneise in den kulturellen Untergrund der Gesellschaft schlagen, die der Dichter in seiner «Comédie humaine»...
Nein, der Mond scheint hier nicht über Judäa. Weder am Anfang, wenn er im Original als seltsame Scheibe am freitonalen Firmament auftaucht und den wunderschön singenden Narren Narraboth (Denzil Delaere) in seiner nachgerade idiotischen Verliebtheit anstrahlt, noch am Ende, wenn er aus dem grellen Cis-Dur-Tremolo hervorbricht und die Prinzessin beleuchtet, kurz...
Georg Friedrich Wilhelm Hegel war ein unverbesserlicher Optimist, sah er doch in der Entwicklung der Geschichte eine Entwicklung hin zu Freiheit und Vernunft. Allein ein flüchtiger Blick ins Heute hätte ihn vermutlich eines Besseren belehrt: Mag sich die Menschheit auf dem technologischen Vormarsch befinden (wiewohl in eine mehr als ungewisse Zukunft), so steht es...
