Fremde in der Nacht
Die schönsten Illusionen? Bietet das Kino. Im Kino darf man träumen, bedingungslos, ohne Wenn und Aber, nur dort flimmern die verrücktesten Träume über die Leinwand und direkt ins Herz hinein. Auch für die kleine Senta ist es ein Sehnsuchtsort, in den sie, begleitet vom Vater und der strengen Aufpasserin Mary, eintaucht wie in eine längst verblichene Welt; eine Welt, in der Helden noch echte Helden sind, und wo überhaupt alles so wunderbar anders ist als das, was sie im Alltag umgibt.
Vor allem eine Figur hat sich in ihr Innerstes eingenistet: jener Mann aus dem Eis, mit dem wallenden Bart und den warmen Augen, den ein uraltes Geheimnis und die Aura des Todes umgeben – der fliegende Holländer. Jedesmal, wenn sie seiner ansichtig wird, blendet Senta ihre Umgebung aus, sogar Vater Daland und auch Mary, die wiederum eine andere Form der «Realitätsflucht» zu ihrem Lebensinhalt gemacht hat: den hemmungslosen Flirt mit Männern, die sie im Kino trifft. Mag Senta reifer werden, Mary findet stets einen neuen Kandidaten, der gewillt ist, ihre erotischen Avancen zu erwidern.
Einen Akt lang hält Sentas Traum an. Dann aber reißt Regisseur Vasily Barkhatov sie jäh aus dem Reich der Fiktionen ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
Der zynische Unterton im Titel ist wohl kein Zufall. Das Drücken der «Escape»-Taste beim Computer bewirkt im Normalfall den Abbruch eines Vorgangs, stellt einen ursprünglichen Zustand her. Das ist in den beiden neuen Einaktern, die das Theater Freiburg unter der Überschrift «Escape» vereint, so gut wie ausgeschlossen. Da sind einmal jene Menschen aus Vietnam, die...
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