Flieg, Albatros, flieg!

Mit dem Ende der DDR war in Eisenach auch die große Zeit der Oper vorbei. Heute wird das Landestheater aus Meiningen versorgt. Aber ist das Haus für die Bürgerinnen und Bürger noch «ihr Theater»? Eine Reportage

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Das kann nicht wahr sein: Da findet am Landestheater Eisenach eine Opernpremiere statt, und der Zuschauerraum ist nicht einmal zu einem Drittel gefüllt. 147 Menschen verlieren sich in einem Raum, der 500 Besuchern Platz bieten möchte. Gezeigt wird das Erfolgsstück «Madama Butterfly», es spielt die traditionsreiche Meininger Hofkapelle, allerdings ein wenig minimiert, weil im Eisenacher Orchestergraben nicht so viel Platz ist: sechs erste Geigen, zwei Kontrabässe und so weiter.

Musikalisch ist dieser Abend Ende September äußerst stark: Der Meininger Generalmusikdirektor Killian Farrell lässt die Handlung geschmeidig fließen, das Orchester musiziert technisch versiert und mit verführerischem Klang, die Sänger, ebenfalls aus Meiningen, haben Format. All das mehr oder weniger als Privataufführung. Als die Vorstellung zu Ende ist (es wird von den wenigen Zuschauerinnen und Zuschauern im Saal so stark applaudiert, als wollten sie die leeren Plätze vergessen machen), zerstreut sich das Häufchen, das Oper erleben wollte, in den Straßen und Gassen rund um das Theater, zwei Busse rauschen in der Dunkelheit davon: die Hofkapelle, die wieder zurück nach Meiningen fährt.

Andris Plucis, der ...

OPERNWELT AUF LANDPARTIE

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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Reportage, Seite 52
von Clemens Haustein

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