Flieg, Adler, flieg!

Frank Castorf sucht in Janáčeks «Totenhaus» an der Bayerischen Staatsoper den zarten Funken Hoffnung, Simone Young schärft die extremen Enden der Partitur

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Der Mörder kommt mit der Axt in der Hand. Furchterregend sieht er aus, der kahlköpfige Lagerinsasse Schischkow, in seinem lang-schwarzen Ledermantel, mit weit aufgerissenen Augen. Ein Abgrund Mensch, vom Teufel besessen, hinabgesunken in das Animalische seiner Existenz. Dabei steht ihm der Sinn jetzt gar nicht nach Gewalt. Schischkow will Zeugnis ablegen von jener unheilvollen Tat, die ihn in dieses Totenhaus brachte – der Schlachtung Akulkas.

Und so wandert er wie Rilkes Panther durchs Gehege, schwingt das kalte Beil, sucht nach Fassung, findet keinen Frieden – und ersehnt doch nichts mehr als Befreiung von seinen Seelenqualen.

Leos Janáček hat ihm in seiner letzten Oper eine Musik komponiert, deren expressive Enden – hier die Sonne des kammermusikalischen Lyrismus, dort der Donner des Herb-Dramatischen – Lichtjahre auseinander liegen (und genau so ambivalent auch von Simone Young und dem Bayerischen Staatsorchester ausgestaltet werden); eine Musik, die das Extreme nicht nur sucht, sondern immanent besitzt, so ganz nach dem von Janáček selbst formulierten Credo: «Nicht nur um der Schönheit und der Lieblichkeit willen, sondern um der Lebenswahrheit willen ist der Gesang da; man ...

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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten

Vergriffen
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