Fiebertraum
Für seine Vermessung der Hölle diente Galileo Galilei die in der «Göttlichen Komödie» geschilderte Reise Dantes in die Unterwelt mit Vergil als Vorlage. Vorausgeeilt war ihnen der mythische Sänger Orpheus aus Thrakien, mit dem erklärten Ziel, die allzu früh verstorbene geliebte Gattin Euridice zu befreien. 20 Jahre nach Galileis Kartografie kombinierten Claudio Monteverdi und sein Textdichter Alessandro Striggio 1607 diesen Mythos in der mutmaßlich ersten Oper der Musikgeschichte; den Anlass für «L’Orfeo» lieferte eine feudale Hochzeitsfeier.
Allerdings geht die Rückholaktion schlecht aus: Orfeo kann sich vor Liebesbegehren nicht an das vom Unterweltgott Plutone erlassene Blickverbot halten und verliert Euridice endgültig ans Höllenreich. Da ein solch tragischer Fall natürlich unpassend für eine Feier bevorstehenden Eheglücks erschien, musste der trauernde Sänger durch einen Gott (als Bühnenstellvertreter des feudalen Auftraggebers) in die ewigen Jagdgründe der olympischen Kunstschöpfung erhoben werden.
Letztlich hat Monteverdi für zwei Stunden die wohl schönste Todesmusik der Operngeschichte geschrieben. So zumindest versteht Regisseur Evgeny Titov das Werk. Gewaltig ragt eine ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Bernd Künzig
Die Artikulation funktioniert anfangs nicht. Noch sind es nur Vokalisen in hoher Lage – wie es eben so klingt, wenn man Jahrhunderte lang in einem arktischen Eisblock eingefroren war. Und auch später, mit wiedergewonnener Sprache, wird sich Ice, so nennt sich die aufgetaute Frau, meist oberhalb des Notensystems bewegen. Es ist ein Fang der geheimnisvollen Art, den...
Krzysztof Warlikowski liebt es, unterschiedliche Werke miteinander zu verbinden, um daraus eine ganz persönliche Vision zu entwickeln. So auch 2015 in Paris, als er Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» und Poulencs «La voix humaine» zu einer eindrucksvollen Aufführung verband. Die Produktion, die nichts von ihrer Faszination verloren hat, wurde nun am Teatro San Carlo...
Lieber Herr de Mallet Burgess – Cincinnati, Westaustralien, Neuseeland, nun Helsinki: Ihr Weg als Opernmanager liest sich sehr ungewöhnlich.
Stimmt, und er hat schon ungewöhnlich angefangen: Nach dem Studium in Oxford wollte ich Regie lernen, besonders in England bestand damals aber kaum die Möglichkeiten dazu. Also befolgte ich einen Ratschlag von Peter Brooks:...
