Unerfüllte Lust
Ertrinken, /versinken-, / unbewusst- / höchste Lust? Nein, dasdann doch nicht. Wagners «Liebestod» würde Hera Hyesang Park kaum in die Kehle kommen, auch nicht in ihrem neuen, spirituell ausgerichteten Album mit dem Titel «Breathe». Die Natur hat ihr das Hochdramatische nicht mitgegeben, Isolde wäre ein vokaler Drahtseilakt ohne Netz für die lyrische Sopranistin. Doch ein gewisses Gefühl einer unbewussten, zugleich höchsten Lust ist ihr durchaus nicht fremd, wie sie im Booklet andeutet; sie erfuhr diese etwa beim Apnoetauchen. Fülle im Nichts.
Hera Hyesang Park suchte Halt vor den Ängsten der Pandemie im Spirituellen, wollte dabei wohl Phänomene wie die immer stärker wahrgenommenen Nahtod -erfahrungen mit dem geistigen Erbe ihrer koreanischen Heimat verbinden. «Breathe» verstanden als Substantiv «der Atem». Oder auch als Imperativ: «Atme!» Jetzt, in diesem Moment! Schenke die gesamte Aufmerksamkeit dem Augenblick.
Freilich hat der materialistisch aufgeklärte Westen sich wissenschaftlich seit einigen Generationen auf das Sicht- und Greifbare verständigt. Indes scheint diese vermeintliche Sicherheit etwa durch die Quantenphysik erschüttert. Und eine von der Spiritualität des fernen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 36
von Gerhard Persché
Auch Erfolge können altern. Bertolt Brechts und Kurt Weills «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» jedenfalls hat in Stuttgart einen faden Nachgeschmack hinterlassen. Das diabolische Spiel, das Brechts gleichermaßen opern- wie kapitalismuskritischer Text hier auftischt, und das diabolische Vergnügen, das Weills kulinarisch schmissige Musik dagegen setzt, finden –...
Selbst für Aficionados beginnt Donizettis Karriere spät: mit «Anna Bolena», die er als 33-Jähriger Ende 1830 in Mailand herausgebracht hatte. Von den etwa 30 Opern vor 1830 ist heute nur eine einzige präsent: «Viva la mamma». Dabei hat die Forschung immer wieder auf die Bedeutung einer Partitur hingewiesen, die am Neujahrstag 1828 in Neapel Premiere hatte: «L’esule...
Ein Sturm im Wasserglas? Oder, um in der Terminologie des Stücks zu bleiben, eine Prüfung fürs Theater? Jedenfalls reisten Regisseur Marco Štorman und Bühnenbildner Demian Wohler knapp zwei Wochen vor der «Zauberflöten»-Premiere ab. Über die offenbar unüberbrückbaren Differenzen schwieg sich der Regisseur vielsagend aus. Und das Theater Freiburg führte die...
