Unerfüllte Lust
Ertrinken, /versinken-, / unbewusst- / höchste Lust? Nein, dasdann doch nicht. Wagners «Liebestod» würde Hera Hyesang Park kaum in die Kehle kommen, auch nicht in ihrem neuen, spirituell ausgerichteten Album mit dem Titel «Breathe». Die Natur hat ihr das Hochdramatische nicht mitgegeben, Isolde wäre ein vokaler Drahtseilakt ohne Netz für die lyrische Sopranistin. Doch ein gewisses Gefühl einer unbewussten, zugleich höchsten Lust ist ihr durchaus nicht fremd, wie sie im Booklet andeutet; sie erfuhr diese etwa beim Apnoetauchen. Fülle im Nichts.
Hera Hyesang Park suchte Halt vor den Ängsten der Pandemie im Spirituellen, wollte dabei wohl Phänomene wie die immer stärker wahrgenommenen Nahtod -erfahrungen mit dem geistigen Erbe ihrer koreanischen Heimat verbinden. «Breathe» verstanden als Substantiv «der Atem». Oder auch als Imperativ: «Atme!» Jetzt, in diesem Moment! Schenke die gesamte Aufmerksamkeit dem Augenblick.
Freilich hat der materialistisch aufgeklärte Westen sich wissenschaftlich seit einigen Generationen auf das Sicht- und Greifbare verständigt. Indes scheint diese vermeintliche Sicherheit etwa durch die Quantenphysik erschüttert. Und eine von der Spiritualität des fernen ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 36
von Gerhard Persché
Ein finsteres Geheimnis umgibt die Felsenhöhle, Mimes und seines Ziehsohns Siegfrieds Wohnstatt. Wenn man es auch nicht zwingend sieht – hören kann man es im Vorspiel zu «Siegfried». Schwer fallen die Fagott-Terzen eine Septim herunter auf den tremoli-bebenden Boden. Unheil bahnt sich an, und wenn das Orchester der Bayreuther Festspiele im zartesten pianissimo die...
Nach gehörig zackigem Beginn: alles ein großer Seufzer. Die äußeren Umstände, der falsch gedeutete Scheintod der Giulietta, das verzweifelt vorzeitig genommene Gift zum Tode des Romeo, all das ist nur die schnöde Außenwelt eines inneren Dramas, das sich in Bellinis überlangen Bögen abrollt vom ersten Moment an, als Rosa Feola, «in lieta vesta», zur Hochzeit mit dem...
Auch Erfolge können altern. Bertolt Brechts und Kurt Weills «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» jedenfalls hat in Stuttgart einen faden Nachgeschmack hinterlassen. Das diabolische Spiel, das Brechts gleichermaßen opern- wie kapitalismuskritischer Text hier auftischt, und das diabolische Vergnügen, das Weills kulinarisch schmissige Musik dagegen setzt, finden –...
