Fahr’ mit mir zum Himmel, Liebling!
Die Oper ist eine katholische Kunstform und führt durch Himmel und Hölle, durch Verdammnis und Erlösung. Alberto Franchettis nach fast einhundert Jahren in Vergessenheit erstmals wiederaufgeführter «Asrael» erfüllt diese Bestimmung auf fast schon fatale Weise. Franchettis Librettist Ferdinando Fontana hat die krause Erzählung vom Engelspaar Asrael und Nefta, die jede Menge Opernklischees zu einem schwer genießbaren Mix verquirlt, im Untertitel als «Legende» bezeichnet. Im Kampf gegen Luzifer hat es Asrael in die Hölle verschlagen. Dort trauert er um seine verlorene Liebe.
Nefta ergeht es im Himmel nicht besser. Ein Teufelspakt gewährt Asrael ein Jahr Auszeit auf Erden. Hier begegnet er erst der männerscheuen Prinzessin Lidoria, deren Hand er ausschlägt, und verliebt sich dann in die kesse «Zigeunerin» Loretta – Turandot und Carmen lassen grüßen. Schließlich erlöst die ebenfalls zur Erde niedergestiegene, als Nonne in einem Kloster lebende Nefta den Irrenden. Asrael werden seine Sünden vergeben, beide kehren als Engel in die ewige Glückseligkeit des Himmels zurück.
Der aus einer reichen jüdischen Familie stammende Franchetti hat in seinem 1888 uraufgeführten Opernerstling alles ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Uwe Schweikert
Sind das Wasserleichen, die da in diesem riesigen, hellen und mit kühlem Nass befüllten Kubus liegen? Langsam beginnen diese Wesen, sich – choreografisch wohlsortiert kreisend – in ihrem Element zu wälzen, breiten die Arme aus und lassen sie auf die Oberfläche platschen. Später bilden sie allerhand Knäuel und Klumpen, ihre Körper scheinen miteinander zu...
Wer wird neues Glück uns geben? Kann man ohne König leben?», fragt das Volk am Ende von Nikolai Rimski-Korsakows Oper «Der goldene Hahn». Am Landestheater Coburg hat der regieführende Intendant Bernhard F. Loges eine vorsichtige Antwort parat: Mindestens ein paar der Höflinge nehmen die grau staubenden Perücken ab und «entsorgen» die Zarenkrone. Schließlich ist...
Die Dame darf getrost als «Berlinerin» gelten. Seit 1912 in der deutschen Hauptstadt und dort seit 1924 öffentlich gezeigt, hat das nicht ganz freiwillige Exil doch sprachlich ziemlich abgefärbt. Mag auch die Büste der Nofretete beharrlich schweigen, ihre pharaonische Nachfolgerin bedient sich dreieinhalb Jahrtausende später ungeniert des örtlichen Jargons. Auch in...
