Experimentelle Wertarbeit
Nirgendwo in Deutschland ist die Infrastruktur für zeitgenössisches Musiktheater so dicht wie in Nordrhein-Westfalen. Neben den zahlreichen Theatern im Land sorgen gleich zwei öffentliche Fonds für Rückenwind (siehe Interview). Und was auf dem Papier vielleicht ein wenig nach bürokratischer Gremienwirtschaft aussieht, erweist sich bei näherer Betrachtung als hocheffektive, von persönlichem Engagement getragene Förderung.
Ausdrücklich erwünscht ist dabei das Zusammenwirken Freier Gruppen mit dem etablierten Theaterbetrieb: Das die Theaterkonventionen in Frage stellende, wenn nicht gar sprengende Experiment soll in einen – möglichst fruchtbaren – Austausch mit der Infrastruktur etabliert professioneller Theaterbetriebe treten. Wie breit das von den beiden Fonds abgedeckte Spektrum musiktheatralischer Produktion ist, zeigten die beiden jüngsten Premieren, zeitgleich in Bonn und Düsseldorf präsentiert.
Der «Fonds Experimentelles Musiktheater» brachte die neue Produktion des 2005 gegründeten Performance-Kollektivs «Monster Truck» mit dem Münchner Komponisten Bülent Kullukcu heraus. Unter dem Titel «Everything is flux» war es für die neue Spielstätte des Düsseldorfer Schauspielhauses im ...
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Unter den Reformopern Glucks dürfte die 1777 uraufgeführte «Armide» derzeit den höchsten Aktualitätswert besitzen: Wenn die Titelheldin erkennen muss, dass wahre Liebe in einer einzig durch Konsum und Konvention bestehenden Gesellschaft keine Chance hat, passt das auf die durchsexualisierte Welt des 21. Jahrhunderts. Und wenn Armide am Ende von ihrem Rinaldo...
