Apropos ... Radames: Salvatore Licitra
Herr Licitra, den Radames singen Sie allein in diesem Jahr 26-mal. Wird Verdi da nicht irgendwann zur Routine?
Selbst wenn ich mich drei Stunden in der Garderobe einsinge, ist es jedes Mal wieder etwas völlig anderes, sobald ich auf die Bühne muss. Die Gegenwart von zweitausend Menschen ändert die psychologische Situation total. Außerdem ist Radames einfach eine verteufelt schwere Rolle – vor allem, wenn man singt, was Verdi geschrieben hat.
Zum Beispiel das Diminuendo auf dem hohen B am Ende von «Celeste Aida», das die meisten Ihrer Kollegen einfach ignorieren.
In gewisser Weise verstehe ich das sogar, denn das Publikum versteht es oft nicht, wenn man dieses Diminuendo macht. Selbst Carlo Bergonzi bekam nur Höflichkeitsapplaus, wenn er das gesungen hat. Der Geschmack der Leute ist da leider verdorben – die meisten lassen sich von Gebrüll beeindrucken und machen sich keine Gedanken über die musikalischen Zusammenhänge. Das ist ähnlich wie im «Troubadour», wo alle auf das hohe C am Ende von «Di quella pira» warten. Obwohl dieses C gar nicht von Verdi ist und harmonisch nicht dorthin passt.
Und wie reagiert man auf solche Erwartungshaltungen?
Mit Kompromissen, die von Aufführung zu ...
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