Es gibt keinen Weg zurück

Henderickx: De Bekeerlinge in Antwerpen

Opernwelt - Logo

Am Anfang die Dunkelheit. Und ein Klang, der raunend durch den Saal kreist und von dem man zunächst nicht weiß, woher er stammt. Man spürt nur, dass damit eine Atmosphäre der unheilvollen Ahnung heraufbeschworen wird. Wer den Roman «De Bekeerlinge» (zu deutsch: «Die Fremde») von Stefan Hertmans gelesen hat, der Krystian Lada als Grundlage für sein Libretto diente, weiß natürlich schon zu diesem frühen Zeitpunkt, dass die Ahnung keineswegs trügt. Diese Geschichte einer verunglückten Konversion (oder sollte man sagen: Assimilation?) ist durch und durch von Tragik durchglüht.

Und sie zeigt, nicht zum ersten Mal, dass der französische Philosoph Paul Ricœur vermutlich doch sehr nahe bei der Wahrheit lag, als er die Religion eine «ontologische Psychose» nannte. 

Drei Stunden lang werden wir in der Opera Vlaanderen in Antwerpen – bei der Uraufführung von «De Bekeerlinge» («The Convert») – Zeuge einer solchen Psychose. Die Musik dazu hat Wim Henderickx komponiert; es ist eine Musik, die sehr gut auch als Soundtrack zu einem Psychothriller taugen würde in ihrer filmmusikalischraunenden Attitüde. Finster grundiert, folgt sie dem Prinzip der akkumulativen Verdichtung gänzlich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Zwischen Leben und Tod

 

Fast einhundert Jahre alt ist Zofia Posmysz inzwischen, die 1942 nach Auschwitz, später ins KZ Ravensbrück verschleppt wurde. Anneliese Franz, eine ihrer Wärterinnen, starb dagegen bereits 1956, noch bevor ihr der Prozess gemacht werden konnte. Posmysz konnte das nicht wissen, als sie ihre Erlebnisse 1962 in einer Erzählung verarbeitete. Und doch gehört es zu den...

Kosmos der Kontingenz

Johann Wolfgang von Goethe war nicht nur ein von Gott gesandter Dichter, er bekundete seine Souveränität auch im Umgang mit anderen Künsten, zumal der Musik. Beleg ist eine Sentenz, die sich in Goethes Gesprächen mit Eckermann unter dem Datum 11. März 1828 findet: «Denn was ist Genie anders, als jene produktive Kraft, wodurch Taten entstehen, die vor Gott und der...

Ein Glanz von Innen

Nein, Rivalinnen sind Véronique Gens und Sandrine Piau nicht. Aber nun haben sie erstmals gemeinsam ein Recital aufgenommen, das zwei historischen Vorgängerinnen gewidmet ist, die im ausgehenden 18. Jahrhundert das Pariser Opernleben beherrschten und in der Tat Kontrahentinnen waren – Madame Saint-Huberty (1756-1812), die als Tragödin an der Académie Royale de...