Erfahrungsraum, kein Mitteilungsraum
Was treibt einen Komponisten an, heute Opern zu schreiben? Was und wen will er damit erreichen? Welche Bedeutung, welches Potenzial hat die Oper für ihn?
In der Oper geht es weder nur um Musik oder das Erzählen von Geschichten, noch um das Überbringen von Weltanschauungen. Es geht um Veränderung, nicht gleich der Gesellschaft, das wäre dann doch zu viel verlangt, aber doch um Veränderung von Wahrnehmungen, von Sicht- und Hörweisen, von Verständnis im weitesten Sinn, das mehr oder weniger eingefahren ist.
Voraussetzung dafür ist, dass sich Oper – als Institution und als Werk gleichermaßen – ständig selbst kritisch hinterfragt. Und dazu wieder eine Vorausetzung ist: dass sie sich davon verabschiedet, zu viel zu wollen. Stimmig ist Oper nur dann, wenn man ihre Grenzen, aber auch ihre Möglichkeiten erkennt: Oper ist das Aufeinanderprallen verschiedener Metiers. Oper ist nicht nur eine Sache – Oper ist vieles: Klangkunst, Schauspiel, Tanz, Raumkunst, Lichtkunst, Kommunikation. Das macht sie so kompliziert, und darin liegen ihre Möglichkeiten. Oper: das ist auch Kollektiv, zuweilen Familie: ein stetes Zusammenkommen und Kollidieren. Oper ist Dialog, aber auch Kampf – ein wechselseitiges ...
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In einem Darmstädter Vortrag von 1961 dachte Theodor W. Adorno darüber nach, was künstlerische Utopie bedeutet. Seine Antwort: «Dinge machen, von denen wir nicht wissen, was sie sind.» Das konnte, über alle Sentenzhaftigkeit hinaus, konkret auf die Nachkriegs- und Wirtschaftswunderjahre bezogen werden. Und es hatte weitreichende Folgen. In der Oper bedeutete der...
Gegen Ende seiner Dienstzeit wurde Ioan Holender gefragt: «Sie sind in Österreich bekannter als die meisten Regierungsmitglieder – liegt das an der Position des Staatsoperndirektors, oder liegt es an Ihrer Persönlichkeit?» Seine Antwort: «Es liegt an den Regierungsmitgliedern». Natürlich war das kokett. Aber die Fragestellung ist keineswegs abwegig, denn der...
Raymond Chandlers bester Roman nennt sich «The Long Good-Bye», und dieser Titel passt auch zu Ioan Holenders Abschied von der Wiener Staatsoper. Begleitet wurde dieser Abschied von einer langen Reihen von Aktionen: Matineen, Pressekonferenzen, Show-Interviews, Aufführungen. Darin eingeschlossen die Abschiedsvorstellung Ende Juni, Wagners «Parsifal», mit dem...
