Enttäuschungen

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Das Erschreckende in der vergangenen Spielzeit war für mich die Irrelevanz quasi des gesamten Kulturbetriebs. Systemrelevanz? Fehlanzeige! Das sah beziehungsweise sieht man auch jetzt noch, selbst bei begrenzter Platzauslastung bleiben erhebliche Teile des früheren Publikums weg.

Ein weiterer Schock: wie ungelenk manche Häuser und Institutionen mit der Krise umgangen sind.

Während zum Beispiel die Bayerische Staatsoper konsequent (Live-)Streams anbot und dafür erhebliche Mittel (man nennt das auch Subventionen/Steuergelder) in die Hand nahm, zog sich etwa die Semperoper lange Zeit völlig zurück und untersagte sogar Christian Thielemann zu proben. Letzterer prägte den hübschen Begriff «theilern», abgeleitet vom Namen des Dresdner Noch-Intendanten Peter Theiler, der einst in Nürnberg ein starkes, innovatives Programm machte und von dem man eine gewisse (natürlich verantwortliche) Widerständigkeit erwartet hätte.

Traurig auch, wie wenig innovative Digitalformate es gab. Der virtuelle Blick in die USA lohnte sich sehr, selbst kleine Kompanien nutzten die Chance, ein globales Publikum zu erreichen.

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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 102
von Jörn Florian Fuchs («Deutschlandradio», München)

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