Endlich komplett
Es klingt wie ein philologischer Hinweis und hat doch viel mit dem sinnlichen Klangerlebnis dieses Abends zu tun: Verdis «Macbeth» wird in Karlsruhe in der Fassung von 1865 gespielt – und zwar komplett. Die Betonung liegt auf komplett. Verdi hat seine Oper knapp zwanzig Jahre nach der Uraufführung für Paris überarbeitet und sozusagen auf den Stand der (kompositorischen) Dinge gebracht. Diese Fassung ist weithin üblich, meist aber in verstümmelter Form, weil man meint, sie möglichst nahe an Shakespeare «herankürzen» zu müssen. Was völlig sinnlos ist.
Das italienische melodramma hat mit einer elisabethanischen Tragödie außer dem Plot nichts zu tun.
Für Paris hat Verdi nicht nur sein «Macbeth»-Konzept verfeinert, sondern eine Ballettmusik im Akt der Hexen komponiert. Das gehörte in der damaligen Opernhauptstadt Europas dazu. Verdi erfüllte die Aufgabe keineswegs widerwillig, sondern mit klaren Vorstellungen zur dramaturgischen Funktion und mit Blick auf das erfolgreiche Nonnen-Ballet aus Meyerbeers «Robert le diable». Diese dreiteilige, in einen e-Moll-Walzer mündende Ballettmusik ist in Karlsruhe nun endlich einmal zu erleben: wie alles an diesem Abend fein ausnuanciert von der ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Stephan Mösch
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