Nostalgie und Opulenz

Cilea: Adriana Lecouvreur Halle / Opernhaus

Opernwelt - Logo

Er war ein bisschen aus der Zeit gefallen, als er kurz nach «Pelléas et Mélisande» und wenige Jahre vor «Salomé» mit einem Melodramma im Stil des 19. Jahrhunderts herauskam: Francesco Cileas «Adriana Lecouvreur», 1902 an der Mailänder Scala mit Angelica Pandolfini und Enrico Caruso uraufgeführt, geriet zum großen Schwanengesang der alten Oper.

Eine historische Personnage – die Schauspielerin Adrienne Lecouvreur, Graf Moritz von Sachsen und die Fürstin von Bouillon – wird darin einer im Falle von «Norma», «Aida» und «La Gioconda» schon bewährten Operndramaturgie unterworfen: Sopran und Mezzosopran kämpfen um den Tenor, mit fatalen Folgen für den Sopran. Die Theater- und Salonwelt in der Ära von Louis XV. gibt die malerische Kulisse ab.

Die Inszenierung, die Ulrich Peters und sein Ausstatter Christian Floeren für das Theater Halle besorgten, setzt also mit einigem Recht auf Nostalgie und Opulenz. Das Auge wird durch üppige, teilweise sehr originelle Kostüme verwöhnt, das Bühnenbild suggeriert mit einfachen Mitteln Großartigkeit, ermöglicht zugleich einfache Szenenwechsel. Der Regisseur arrangiert in dieser Szenerie dekorative Tableaus und hält sich ansonsten penibel an die Vorgaben ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Ekkehard Pluta

Weitere Beiträge
Ein Komponist von Gottes Gnaden

Immer wieder kann man lesen, bei der Berliner Erstaufführung von Spontinis monumentaler Oper «Olimpia» sei 1821 ein leibhaftiger Elefant aufgetreten. Das ist schlicht erfunden: Zwei kräftige Statisten halfen einer Attrappe auf die Beine. Anne Henrike Wasmuths Dissertation räumt nicht nur mit dieser «urbanen» Legende auf, sondern mit vielen Fehlurteilen über...

Wie gefroren

Owen Wingrave», die vorletzte Oper des bekennenden Pazifisten Benjamin Britten nach einer Erzählung von Henry James, entstand 1970 – in der Endphase des Vietnam-Krieges – als Auftragswerk für das britische Fernsehen. Britten und seine Librettistin Myfanwy Piper nutzten mit schnellen Wechseln und Simultanszenen virtuos die Möglichkeiten der filmischen Dramaturgie....

Heikles Doppel

Mut zu Raritäten, präsentiert in konservativer Ästhetik: So könnte man die Eckpfeiler des künstlerischen Konzepts von Intendant Stefano Mazzonis di Pralafera umreißen, der seit 2007 das Königliche Opernhaus in Lüttich leitet. Sein Spielplan bietet Renner wie «La traviata» und «Die Zauberflöte». Aber eben auch Seltenes aus der zweiten Reihe wie Verdis frühen...