Elf Personen suchen einen Stoff
Die Oper ist und bleibt der Wolpertinger unter den Künsten, bei dem sich Text, Musik und Szene gegenseitig unterstützen, kommentieren oder im Wege stehen. Diese Offenheit des Genres weckt zuweilen die Begehrlichkeit, alles hineinzuwerfen, auf dass am Ende schon irgendetwas Neues oder Aktuelles herausschaue.
Das jüngste Projekt der Deutsche Bank Stiftung und ihres Förderprojekts «Akademie Musiktheater heute» beeindruckt denn auch besonders durch die Literaturliste der herbeizitierten Dichter und Philosophen von Ariost über Nietzsche und Virginia Woolf bis zu Georges Bataille und Byung-Chul Hans Buch «Müdigkeitsgesellschaft».
Im Musiktheater «Orlando», das von elf (!) Stipendiaten der Akademie auf die Bühne des koproduzierenden Theaters Bielefeld gebracht wurde, geht es keineswegs nur um Ariosts Aventüren des rasenden Rolands oder Virginia Woolfs zeitenüberspringende Cross-Gender-Heldin Orlando. Die drei Textblöcke von Alexander Stockinger, Judith Pielsticker und Janine Ortiz wollen vielmehr die verhetzte Wesenlosigkeit unserer Zeit ausleuchten, die Jagd nach Erfolg und Identität und ihren Kollaps im Vergnügungstaumel. Wohl erscheint Orlando in jedem der drei Teile, doch liegt er im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2013
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Michael Struck-Schloen
Sie haben sich respektiert. Geistesverwandte waren sie nicht. Karlheinz Stockhausen, der katholisch sozialisierte Klangmystiker aus dem Bergischen Land, und Luciano Berio, der sinnlich-sonnige Gefühlsharmoniker aus Ligurien. Und doch gab es auch Verbindendes – nicht nur den Gedankenaustausch in Darmstadt, von dem ein bekanntes Foto aus dem Jahr 1956 zeugt: die...
Der 9. Dezember 1978 war nicht nur für Zürich ein wichtiges Datum. Etliches verschwimmt im Gedächtnis, eines aber nicht: der Erstauftritt einer nicht ganz 32-jährigen Sängerin am Ort. Wer damals Edita Gruberova als Zerbinetta erlebte, erinnert sich unweigerlich an ein einzigartiges Koloratur-Feuerwerk, das weniger Selbstzweck war, als dass es die tatsächliche...
Mit Michael ging es los. Dem Hausheiligen und Schutzpatron, der «höchsten geistigen Macht» des Komponisten. Sein Tag ist der «Donnerstag», das älteste Stück des siebenteiligen «Licht»-Zyklus, an dem Karlheinz Stockhausen von 1978 bis 2003
arbeitete. Ein Tag des «Lernens», der spirituellen Besinnung, der kosmischen Entgrenzung des Bewusstseins. Dann war Luzifer an...
