Elf Personen suchen einen Stoff
Die Oper ist und bleibt der Wolpertinger unter den Künsten, bei dem sich Text, Musik und Szene gegenseitig unterstützen, kommentieren oder im Wege stehen. Diese Offenheit des Genres weckt zuweilen die Begehrlichkeit, alles hineinzuwerfen, auf dass am Ende schon irgendetwas Neues oder Aktuelles herausschaue.
Das jüngste Projekt der Deutsche Bank Stiftung und ihres Förderprojekts «Akademie Musiktheater heute» beeindruckt denn auch besonders durch die Literaturliste der herbeizitierten Dichter und Philosophen von Ariost über Nietzsche und Virginia Woolf bis zu Georges Bataille und Byung-Chul Hans Buch «Müdigkeitsgesellschaft».
Im Musiktheater «Orlando», das von elf (!) Stipendiaten der Akademie auf die Bühne des koproduzierenden Theaters Bielefeld gebracht wurde, geht es keineswegs nur um Ariosts Aventüren des rasenden Rolands oder Virginia Woolfs zeitenüberspringende Cross-Gender-Heldin Orlando. Die drei Textblöcke von Alexander Stockinger, Judith Pielsticker und Janine Ortiz wollen vielmehr die verhetzte Wesenlosigkeit unserer Zeit ausleuchten, die Jagd nach Erfolg und Identität und ihren Kollaps im Vergnügungstaumel. Wohl erscheint Orlando in jedem der drei Teile, doch liegt er im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2013
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Michael Struck-Schloen
Jubilare
Obwohl er nie in Bayreuth aufgetreten ist, galt er vielen als bedeutendster Wotan und Holländer seiner Generation: Robert Hale, geboren in Texas, hat sich Zeit gelassen bei der Entwicklung seiner Bassbariton-Stimme. 1965 debütierte er in Denver als Mozart-Figaro, gehörte dann zehn Jahre zum Ensemble der New York City Opera. In Europa hatte er seine größten...
Vox populi. Klingt gut. Irgendwie griffig. Ein bisschen exklusiv (man spricht Latein!), aber doch der Plebs zugewandt. Unter diesem Motto stand die jüngste Spielzeit der Bayerischen Staatsoper. Also auch die Festspielwochen, mit denen Deutschlands bestausgestattete Opernbühne traditionell das Theaterjahr beschließt. Vox populi. Eine Dachmarke. Auf der Homepage...
Vierzehn Tage nach Absage der Händel-Festspiele herrscht Kaiserwetter in Halle. Von Flutschäden ist nichts mehr zu sehen. Nur die Verantwortlichen streiten öffentlich, ob die Absage nötig war. Halles Opernintendant Axel Köhler holt seine ausgefallene Premiere, Händels erste Oper, «Almira, Königin von Kastilien» (1705), nach, weil das Haus die Produktion braucht.
Wer...
