Eine Frau für viele Fälle
Es kann passieren, dass man im Gespräch mit ihr nicht weiterkommt. Weniger, weil der Stoff ausginge, sondern weil die Luft wegbleibt. Wobei das meist plötzliche, immer befreiende, ansteckende Lachen von Golda Schultz, die Mutter hat ihr das oft gesagt, gern auch an unpassenden Stellen passiert. Franz Welser-Möst hat das offenkundig nicht irritiert. 2014, bei den Proben fürs Richard-Strauss-Festkonzert an der Bayerischen Staatsoper war das. Ein Jahr später stand sie als «seine» Sophie auf der Bühne des Großen Salzburger Festspielhauses.
In einer Rolle, die zu einer Art Signet-Partie für die gebürtige Südafrikanerin wurde. Mehr noch: zum künstlerischen Wendepunkt.
Gut: Studium in Kapstadt und an der New Yorker Juilliard School, der Sprung nach Europa, von 2011 bis 2013 Mitglied im Opernstudio der Bayerischen Staatsoper, dann der Wechsel ins dortige Ensemble – das klingt alles nach zielgerichtetem Karrierestart. Doch erst 2014, als Golda Schultz bei den Münchner Opernfestspielen als Sophie im Kleid der von ihr verehrten Lucia Popp auf der Bühne stand, hatte sie das Gefühl: Sie ist im Beruf angekommen. «Ich hatte vorher wirklich viele Zweifel», sagt sie. Mit 19 nahm sie ein ...
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Opernwelt März 2021
Rubrik: Porträt, Seite 52
von Markus Thiel
Es gibt einen Meyerbeer vor Meyerbeer. Ehe der Berliner Bankiersspross 1831 in Paris mit «Robert le Diable» ins Metropolen-Rampenlicht trat und danach mit «Les Huguenots», «Le prophète» und «Vasco da Gama» bahnbrechende Grands Opéras schrieb, entstanden zwischen 1817 und 1824 in Italien Werke, die sich erkennbar der dortigen Operntradition verschrieben und doch...
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Wundersamer, klangreicher, magischer Ort. Ort der puren ästhetischen Überwältigung: Eine «Hotellerie des Signifikanten» nennt der französische Philosoph Roland Barthes jenen Raum, in dem das Subjekt gehört werden kann, mitsamt der Bewegung seines Körpers. Und vor allem mit jener Stimme, die den Hörenden zu verzaubern vermag. Die Stimme, so heißt es in Barthes’...
