Ein Versprechen

Christiane Karg: Verwandlung. Lieder eines Jahres.

Opernwelt - Logo

Es ist verlockend, die «Lieder eines Jahres» mit «Night and Dreams», dem vor Kurzem erschienenen Recital ihrer Fachkollegin Measha Brueggergosman, zu vergleichen. Während die Kanadierin über üppige stimmliche Mittel verfügt, mit ihnen aber nicht genug anfängt, ist es bei Christiane Karg genau andersherum: Das Farbspektrum ihres leichten Soprans ist noch begrenzt, die Tiefe hat nicht allzu viel Substanz, und wenn ein Lied einen aufblühenden Spitzenton verlangt (Mendelssohns «Frühlingslied» beispielsweise), klingt das wie eine Knospe kurz vor dem Aufbrechen.

Doch geht Christiane Karg so klug mit ihren Möglichkeiten um, dass dergleichen kaum je als Nachteil spürbar wird. Das beginnt schon beim geschickt gewählten, rein deutschsprachigen Programm: Das Jahreszeiten-Motto liefert einen Spannungsbogen, der zugleich Raum für stilistische Vielfalt zulässt. Neben Liedern von Schubert und Mendelssohn, Wolf und Strauss, Ligeti und Webern präsentiert Karg auch stimmungsvolle Raritäten von Schreker, Zemlinsky und Joseph Marx – fast durchweg Miniaturen, die keine großen Gefühle oder dramatischen Töne verlangen. Stattdessen geht es um leise Fragen und träumerische Schwebezustände. Wunderbar liegen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2010
Rubrik: Interview/CD, Seite 20
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Getanzte Märchenwelt

In Linz ist Platée nicht nur eine hässliche Sumpfnymphe, wie sie Rameau für sein «Ballet bouffon» aus dem Jahr 1745 geschaffen hatte. In der Inszenierung von Anthony Pilavachi stellt sie eine alte, schlabbrige, unförmige Kröte mit hängenden, warzigen Brüsten, fettigem, klebrigem Haar vor: bekleidet mit einer Oma-Strickjacke und mit Schwimmflossen an den Füßen.  Sie...

Das Kreuz mit der puritanischen Tradition

Die «Vereinigten Staaten» existierten offiziell noch gar nicht, da verstand sich Neu-Englands Metropole Boston schon als Kulturhauptstadt. Nicht nur schlossen sich zahlreiche lokale Universitäten der dortigen, 1636 gegründeten Harvard University an; die Stadt brachte überdies eine genuin amerikanische Literatur und Philosophie hervor und begründete die...

Latin Lover

Sie ist noch immer weit verbreitet, die Vorstellung von Don Giovanni als dem genialischen, im Gefühl seiner Omnipotenz gegen göttliches Gesetz aufbegehrenden Verführer: ein Rollenbild, das nicht zuletzt von Ausnahmesängern wie Cesare Siepi und George London geprägt wurde. Die junge Regisseurin Andrea Moses sieht das ganz anders. In ihrer Bremer Neuinszenierung von...