Wohin mit dem Kaiser?

Gelsenkirchen: Korngold: Die tote Stadt

Opernwelt - Logo

Erst steht er in Socken da, der Ex-Soldat. Später, wenn die Fronleichnamsprozession durch Brügge zieht und plötzlich zu einer Art Totentanz mutiert, gibt er den Zeremonienmeister im Frack. Doch am Ende geht er, geläutert und aufgeräumt, ganz normal von der Bühne. Das Schicksal von Paul könnte der Romantik entstammen: der Träumer, der seine tote Frau herbeiwünscht und in der Tänzerin Marietta ihr Ebenbild zu erkennen glaubt, sich in sie verliebt und dabei in eine Welt der Träume und Fantasien verliert.



Tilo Reinhardt hat Korngolds «Tote Stadt» für das Musiktheater im Revier auf die Bühne gebracht: eine stimmige, nie spektakuläre und trotzdem zeitweise packende Inszenierung. Zwar hätte man sich die Personenregie an einigen Stellen pointierter vorstellen können, unter dem Strich jedoch gelingt Pauls seelische Odyssee stimmig. An diesem positiven Befund hat das von Wilfried Buchholz entworfene Bühnenbild entscheidenden Anteil: Die beiden Sphären von Pauls Privatsphäre und der fantastisch-irrealen Stadt stehen bewusst nebeneinander, werden aber gelegentlich subtil miteinander verwoben. Brügge erscheint hier wie das Venedig Thomas Manns: als kränkelnde Welt, in der sich Realitäts- und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2010
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Sprache, Linie, Ausdruck

 

Frau Karg, an der Komischen Oper haben Sie gerade die Norina aus «Don Pasquale» gesungen. Liegen Ihnen solche eher leichtfertigen Charaktere?
Eigentlich gar nicht. Aber in Norina steckt nun mal wenig Tiefgang  – damit musste ich klarkommen. Das ist ein junges Mädel aus der Spaßgesellschaft, und nur in dem Moment, in dem sie Pasquale eine Ohrfeige gibt, gewinnt das...

Seelenräume

Kameras, Mikrofone, roter Teppich, Blitzlichtgewitter: Die Premiere von «La traviata» in Warschau erregt große Aufmerksamkeit bei den lokalen Medien und bei der Politik- und Kulturprominenz der Hauptstadt. Kein Wunder: Zwar kann die Opera Narodowa in dieser Spielzeit stolze dreizehn Premieren vorweisen, darunter ein Ballett über Kurt Weill und die polnische...

Die Hölle, das sind die ­anderen

Die «Freischütz»-Version mit vertonten Sprechtexten, die Hector Berlioz 1841, den Gesetzen der Pariser Grand Opéra gehorchend, schrieb, litt unter Richard Wagners Verdikt, sie sei «entstellend und langweilig». Vereinzelte Versuche, sie im deutschen Sprachraum zu etablieren – zuletzt 1997 in Dortmund – fanden eine eher ungnädige Aufnahme.

Die aktuelle in Trier legt...