Die Entdeckung des Himmels
Kosmos Barockoper. Wo die Sänger Edelgas zu atmen scheinen, so silberhell leuchtend klingen ihre Stimmen. Wo der Koloraturen-Höhenrausch den Normalzustand bedeutet und Töne wie tausend kleine Messer blitzen. Wo die Figuren aber auch alles Schablonenhafte ablegen, nahbar, durchlässig werden.
Warum hören und sehen wir den Opernhelden eines Georg Friedrich Händel, um den prominentesten Vertreter des Genres zu nennen, so gerne zu, wenn sie in diesen kruden Geschichten zwischen ihren Affekten vulgo Gefühlsextremen hin und her schießen? Drei Produktionen in Köln, Halle und an der Komischen Oper Berlin finden je eigene, ästhetisch sehr unterschiedliche Antworten.
Im StaatenHaus Köln auf dem Messegelände untergebracht steht mit «Giulio Cesare in Egitto» (in der Inszenierung von Vincent Boussard) nicht nur Händels, sondern die vermutlich erfolgreichste Barockoper überhaupt auf dem Programm. Das Gürzenich-Orchester sitzt direkt vor der Bühne, von Rubén Dubrovsky, einem nicht nur bei Originalklangkörpern derzeit viel gefragten Barockexperten, auf phänomenale musikalische Höhen geführt: Mit seismografischer Empfindlichkeit und Präzision wird da auf das Bühnengeschehen reagiert. Dubrovsky ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Werner Kopfmüller
Dieses Bild ist nichts für zarte Gemüter. Ein unwirtlich-steriles Krankenhauszimmer in trübem Grauweiß, gerade mal zwei Meter hoch, vollgestellt mit Gerätschaften. Mittendrin ein schmales Bett, darin, mit dem Tropf verbunden, eine Schlafend-Träumende: Ophelia. Halb weilt sie, von Horatio, dem treuen Freund, behutsam bewacht, noch unter den Lebenden, halb liegt sie...
Frische, der Duft der Rose, die Stimme der Nachtigall, der Flügelschlag des Schmetterlings – das seien die Qualitäten von Jules Massenets Musik, schreibt Camille Saint-Saëns nicht ohne subtile Ranküne über die im Dezember 1881 im Brüsseler Théâtre de la Monnaie uraufgeführte «Hérodiade» seines Konkurrenten um die Gunst des Belle-Époque-Publikums. Der schmachtende,...
Kaum ein Land mit regelmäßigem Opernbetrieb bleibt von Richard Wagner unberührt. Auch nicht eines der ärmsten Europas: Bulgarien. Über vier Jahre hinweg (von 2010 bis 2013) präsentierte die Oper von Sofia einen eigenen «Ring» und blieb dabei auf mehrfacher Ebene (trotz sinnender Sehnsucht nach Bayreuth) ganz «Zuhause»: Praktisch das ganze Team stammt ursprünglich...
