Editorial Opernwelt 8/24
Auf den ersten Blick haben die Mini-Soap «For the Drama», die man, so die Tapferkeit groß ist, in der ARD-Mediathek abrufen kann, und die Entscheidung vieler öffentlich-rechtlicher Rundfunk- und Fernsehanstalten, Kultursendungen zu kürzen oder gleich ganz aus dem Programm herauszustreichen, nicht viel miteinander zu tun. Sieht man etwas genauer hin, ergeben sich erstaunliche Verbindungen, allerdings in Form eines Widerspruchs. Einerseits blickt das Fernsehpublikum in die Röhre (und bleibt die Röhre im Radio kalt), andererseits gibt es eben solche Sachen wie «For the Drama».
Man will ja niemandem zu nahe treten, aber die künstlerischen Leistungen sind doch mehr als überschaubar; was man aber keine Sekunde lang glauben mag, ist, dass Marie Nasemann (Rosa) und Eidin Jalali (Gabriel), abgesehen von ihrem bescheidenen schauspielerischen Talent, jemals auch nur einen Ton aus einer Oper gesungen haben. Das Storyboard (früher: Drehbuch) will es aber nun, dass sie in der Liebesgeschichte, die hier erzählt wird, die Cover von Diana Damrau und Georg Nigl sind – in jener «Fledermaus»-Inszenierung von Barrie Kosky, die Ende 2023 ihre Premiere an der Bayerischen Staatsoper feierte. Fiktion und ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
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Olivier Messiaens drei Liederzyklen sind selten zu hören und gehören alle zum Frühwerk, das vor seiner Wende zum Serialismus entstand. Er verabschiedete sich dabei von Einflüssen des Impressionismus und des Neoklassizismus und fand zu einer ganz eigenen musikalischen Sprache. Zwei der Zyklen hat die kanadische Sopranistin Barbara Hannigan, die ihre künstlerischen...
Lazarus, come forth!» Kurz zuvor rauschte noch das Tamtam bedrohlich auf als düsteres Todessymbol, nun scheint der Boden zu erzittern: Tremolierende Kontrabässe und gestopfte Hörner lassen einen ungeheuren, gleichwohl noch fernen Wind brausen. Der Menge steht darob der Mund offen: Der Chor singt ohne Text und dreht die Spannungsschraube noch einmal weiter, wenn die...
