Editorial August 2021
Der Abschied war, im ursprünglichsten Sinne des Wortes: fürstlich. Gefeiert wurde er mit einer Gala, einem opulenten Bildband (dessen Titel «Zur Freude und Erhebung» in überschaubarer Bescheidenheit die in goldenen Lettern auf dem Giebel des Meininger Theaters verewigte Huldigung an Herzog Georg II. zitiert, der den Musentempel vor gut 200 Jahren gegründet hatte) sowie einer «Theater-Schau-Meile» in der Innenstadt.
Ja, so kann man abtreten, mit Pomp and Circumstances, und das ließ sich Ansgar Haag, der 16 Spielzeiten lang die Geschicke des Staatstheaters Meiningen leitete, schlichtweg nicht nehmen. Auch sein Kollege Thomas Bockelmann – er stand noch ein Jahr länger an der Spitze des Staatstheaters Kassel – nutzte die Gelegenheit der altersbedingten Demission dazu, eine Publikation in Auftrag zu geben, die sein Wirken würdigte.
Nun gehen sie in den verdienten Ruhestand, und natürlich fällt einem dazu Loges maliziöser «Rheingold»-Kommentar ein («Ihrem Ende eilen sie zu, die so stark im Bestehen sich wähnen»). Eines indes muss man beiden Intendanten lassen: Sie hinterlassen gut bestellte Häuser mit einem begeisterungsfähigen Stammpublikum, gefestigter Struktur und ausgeglichenem ...
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Opernwelt August 2021
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
62. Jahrgang, Nr 8
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752347
REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
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www.opernwelt.de
REDAKTION
Jürgen Otten (V. i. S. d. P.)
REDAKTIONSBÜRO
Andrea Kaiser | redaktion@opernwelt.de
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Herr Geyer, was ist der Unterschied zwischen einem typischen Wiener und einem typischen Österreicher?
Der typische Wiener ist behaftet mit der Lust an der Intrige. Der typische Österreicher ist aber auch nicht nur freundlich.
Und was sind Sie selbst?
Ich bin vermutlich kein typischer Österreicher, weil diese typisch österreichische Gemütlichkeit nicht meins ist....
Was wohl wäre die ideale künstlerische Form für die Reise ins tiefste Innere zweier Nachtgeweihter, die, der Welt abhanden gekommen, von ihrer Seelenbewegung singen? Mathilde Wesendoncks Gedichte «Im Treibhaus» oder «Träume», die Richard Wagner in harmonisch zum Bersten gespannte Töne setzte? Ein für die Oper adaptiertes Kammerspiel von Strindberg? Ein auf das...
