Editorial 8/22
Alles schwarz, so schwarz wie meine Kleider. Alles schwarz, ich seh‘ nichts andres, leider.» So sang die bekanntlich aus ehemaligen Thomanern bestehende Band «Die Prinzen» auf ihrem schönen Album «Schweine» aus dem Jahr 1995. In dem Song geht es, anders als die Worte es intendieren, überhaupt nicht um irgendeine «Schwarzmalerei» oder um «Krise».
Doch wollen wir ja an dieser Stelle nicht immer der Verführung erliegen und – uns dabei sich selbst seiner hehren Bildungsbürgerlichkeit versichernd – einen Opernlibretto-Ausschnitt herauskramen, auf dass es irgendwie «passt», um gemeinsam die Misere zu beklagen.
Freilich, momentan «passt» so einiges nicht – beziehungsweise passen bei vermutlich fast jeder Opernvorstellung noch Leute in den Zuschauerraum. Ja, Musiktheaterschaffende haben es gerade nicht leicht. Niemand singt gerne vor halbleerem Haus. Jede Opernsängerin, jeder Opernsänger kennt dieses Gefühl, diesen tastenden Blick ins Auditorium. Auch von der Bühne aus sieht man, ob die Vorstellung ausverkauft ist oder nicht. Und jeder einzelne leere Platz schmerzt ein wenig. Halbe Reihen, die leer bleiben, sind sogar wie ein kleiner Stich ins Herz. Mancher Zeitgenosse wird deswegen fast ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Arno Lücker
Erklingt in diesen Tagen auf einer Opernbühne der «Patria-oppressa!»-Chor aus Giuseppe Verdis «Macbeth», dann «inszeniert» ein Diktator wie Wladimir Putin mit, ganz gleich, was dabei zu sehen ist. Verstärkt wird dieser unangenehme Eindruck noch, wenn, wie zu Sommerbeginn am Theater Freiburg, ein ukrainischer Regisseur das Stück zu deuten versucht. Andriy Zholdak...
Im Grunde ist mit den ersten Worten das Wesentliche gesagt: «Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus.» Der Wanderer in Schuberts «Winterreise» auf die ingeniösen Verse Wilhelm Müllers weiß, wohin sein Weg ihn führt: in jenes Dunkel, aus dem er kommt, immer schon kam. Eine Lichtgestalt war er nie, wird es nicht mehr werden. Und wer noch daran zweifelte,...
Mit dem Zölibat hat Pater Grandier keine Probleme, er nimmt es gar nicht erst ernst. Schließlich gibt es da die wohlhabende Witwe, die nicht nur geistlichen Trostes bedarf oder die junge Philippe, die er schwängert und hernach – so bleibt es Brauch in der katholischen Kirche – verstößt. Nur mit einem hat er nicht gerechnet: dass er auch die unterdrückten Begierden...
