Durchaus leidenschaftlich und phantastisch
Ein hochsommerlicher Tag in Dresden. Gefühlt 30 Grad. Immerhin säuselt, fast unhörbar, ein Wind durch die Bäume am Straßenrand. Es ist eine auf den flüchtigen Blick angenehm ruhige Gegend, zehn Straßenbahn-Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, in der Lydia Steier wohnt. Doch der Schein trügt. Draußen vor der Tür hängen die Plakate für die Sachsen-Wahl, leider auch solche der rechtsextremen AfD, die schon im Stadtrat die Mehrheit hat und nun drauf und dran ist, ihren gefährlichen politischen Einfluss weiter auszudehnen.
Drinnen, hinter der Tür, ist davon zum Glück nichts mehr zu spüren. Aber da wartet, kaum zu glauben, aber wahr, ein Bär. Naja, nicht ganz und auch alles andere als bedrohlich. «Bear», so sein bürgerlicher Name, ist eine melancholisch dreinblickende französische Bulldogge, gut elf Jahre alt und vermutlich einer der freundlichsten Hunde der Welt. Zudem ein echter Opernfreak. Bear spielte schon Maskottchen bei «Faust»-Verleihungen, lag bei Premierenfeiern in den Armen von Operndiven, hat etliche Häuser durch den Bühneneingang betreten und sieht nun seinem wohlverdienten Ruhestand entgegen, der vorwiegend in einem kuscheligen Körbchen stattfindet, weil dem Guten langsam die ...
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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Regisseurin des Jahres, Seite 30
von Jürgen Otten
Seit jenem Tag des Jahres 2009, an dem die Stiftung Palazzetto Bru Zane ihre Arbeit aufgenommen hat, ist Bewegung in die doch leicht verkrustete Opernwelt gekommen – vor allem, was die Zeit zwischen 1780 und 1920 betrifft. Namensimmanentes Ziel des «Centre de musique romantique française» ist es seither, die Musik eben dieser «Epoche» zu erforschen und vor allem...
Dem französischen (Musik-)Philosophen, Debussy-Biographen und Autoren des vielleicht tiefsinnigsten Buches über den Tod, Vladimir Jankélévitch, verdanken wir eine fundiert-feinsinnige Skizzierung der Musik jenes Komponisten, dessen Schöpfungen, mit Ausnahme seines regelmäßig aufgeführten Requiems, noch heute nur wenigen Eingeweihten vertraut ist. «Wie einem...
Die Musik Frankreichs hat es in Deutschland seit jeher schwer. Das Barock mit Meistern wie Couperin, Lully, Marais und Rameau führt hierzulande noch immer ein Schattendasein. Aber auch die Wertschätzung der Musik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts beschränkt sich jenseits der Namen von Berlioz, Debussy und Ravel auf die Kenner und Liebhaber dieser einzigartigen...
