Durchaus leidenschaftlich und phantastisch

Man möchte sagen: endlich! Lydia Steier ist die «Regisseurin des Jahres». Ein Porträt

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Ein hochsommerlicher Tag in Dresden. Gefühlt 30 Grad. Immerhin säuselt, fast unhörbar, ein Wind durch die Bäume am Straßenrand. Es ist eine auf den flüchtigen Blick angenehm ruhige Gegend, zehn Straßenbahn-Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, in der Lydia Steier wohnt. Doch der Schein trügt. Draußen vor der Tür hängen die Plakate für die Sachsen-Wahl, leider auch solche der rechtsextremen AfD, die schon im Stadtrat die Mehrheit hat und nun drauf und dran ist, ihren gefährlichen politischen Einfluss weiter auszudehnen.

Drinnen, hinter der Tür, ist davon zum Glück nichts mehr zu spüren. Aber da wartet, kaum zu glauben, aber wahr, ein Bär. Naja, nicht ganz und auch alles andere als bedrohlich. «Bear», so sein bürgerlicher Name, ist eine melancholisch dreinblickende französische Bulldogge, gut elf Jahre alt und vermutlich einer der freundlichsten Hunde der Welt. Zudem ein echter Opernfreak. Bear spielte schon Maskottchen bei «Faust»-Verleihungen, lag bei Premierenfeiern in den Armen von Operndiven, hat etliche Häuser durch den Bühneneingang betreten und sieht nun seinem wohlverdienten Ruhestand entgegen, der vorwiegend in einem kuscheligen Körbchen stattfindet, weil dem Guten langsam die ...

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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Regisseurin des Jahres, Seite 30
von Jürgen Otten

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