Durch alle Seelentöne
Ins Labyrinth ihrer Obsession verstrickt erscheint die Titelheldin bereits in der Ouvertüre: Der Regisseur Christoph von Bernuth widersteht allen Fallstricken einer fast schon zur Routine gewordenen Idee, pantomimisch ganze Vorgeschichten zu erzählen. Stattdessen nur das hundertfach gespiegelte Wort Hippolyte – ein Irrgarten, in dem gleich in der ersten Szene das Objekt der am Ende tödlichen Begierde in arglos-froher Jagdgesellschaft erscheinen wird.
Eben diese Verstrickung wird zum visuellen Leitmotiv des Werks: Drei Akte lang werden wir Phè-dre immer wieder eingeschlossen in ein Guckkastenkabinett erleben, dessen Boden und Wände sie manisch mit dem Namen des unerreichbaren, geliebten Stiefsohns beschmiert. Und wenn sie im dritten Akt daraus auszubrechen und bei einer teilnahmlosen Bevölkerung menschliche Regungen zu erwecken versucht, bringt die Drehbühne sie doch wieder gnadenlos in ihr emotionales Gefängnis zurück. Bernuths Regie und die Bühne von Oliver Helf finden immer wieder solche großen, aus einfachen Formen und Bewegungen entwickelte Konstellationen. Symbolträchtig sind sie, meist eher abstrakt als erzählerisch, immer aber treffen sie präzise den dramatischen Punkt.
Und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von
Dieser Mephisto kommt mir nicht ins Haus!», rief Bertel Braunfels, die Gattin des Komponisten, voller Vorahnung aus, als Adolf Hitler 1920 nach einem Besuch der «Vögel» an Walter Braunfels herangetreten war. Der spätere «Führer» wünschte sich eine Hymne für seine frisch gegründete Partei und hielt den Namen «Braunfels» für urdeutsch, doch der Komponist lehnte ab....
Die Tragédie en musique «Castor et Pollux» von Jean-Philippe Rameau gehört zu den populärsten Werken des großen Franzosen. Teodor Currentzis und Peter Sellars wählten für ihre Neuproduktion im Palais Garnier die erste, umfangreichere Fassung von 1737. Die fast Wagner’sche Länge dieser Version erlaubte es den Interpreten, sämtliche Facetten von Rameaus zwischen...
Der Augenblick der Seligkeit, er währt nur wenige entrückte Minuten. Wie ein mondbeschienener Liebestraum in Ges mutet dieses Andantino non troppo lento im wiegenden 6/8-Takt an, in dem Anna Brull (als stimmlich wie darstellerisch exquisite Königin von Karthago) und Iurie Ciobanu (als glaubhaft mit sich und den Umständen ringender trojanischer Krieger) innig...
