Dramatischer Atem, blasses Pathos

Massenets «Thérèse» aus Montpellier und Gounods «Polyeucte» aus Martina Franca

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Erfreulich viel hat sich in Sachen Massenet seit den Pioniertaten von Richard Bonygne getan. Fast vier Jahrzehnte nach dessen verdienstvoller «Thérèse»-Aufnahme ist jetzt eine beglückende Neueinspielung der veristischen Kurzoper herausgekommen, mit Alain Altinoglu an der Spitze des Orchesters der Oper von Montpellier, in der luxuriösen Edition der Stiftung «Palazzetto Bru Zane», bei der sich die CD im Rückumschlag eines ausführlichen Programmbuchs verbirgt.

Altinoglu macht hörbar, dass sich der Komponist auf dem Höhepunkt seiner ­Instrumentationskunst befand, als er 1905 die Vertonung der Dreiecks­geschichte im Schatten der französischen Revolution in Angriff nahm. Im morbiden Streicherklang kann man das welke Laub förmlich riechen, absichtsvoll röchelndes Blech kündet von Terror und Justizwillkür, ein Zeitfenster in unbeschwerte Tage öffnet sich, wenn im zentralen Liebesduett von Ferne überraschend ein Menuett einsetzt, gespielt vom Cembalo. Wo die Außenwelt die Protagonisten bedrängt, findet der Dirigent den dramatischen Atem, den ­erhöhten Puls einer unsicheren Zeit. Immer wieder gestattet er der Musik auch sentimentale Süße – die aber nie klebrig wird.  

Die Rolle der Thérèse, ...

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Opernwelt August 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Frederik Hanssen

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