Donizetti: Lucia di Lammermoor

Essen

Wenige Tage nach dem Tod Benno Bessons brachte sein legendärer Ausstatter aus Zeiten der Zusammenarbeit an der Volksbühne und dem Deutschen Theater Berlin seine erste Inszenierung eines ita­lienischen Melodramma heraus. Doch Ezio Toffoluttis «Lucia di Lammermoor» am Essener Aalto-Theater machte schmerzlich spürbar, was wir an Besson verloren haben: Sie ist szenisch ein Fiasko.

Die starre Personenführung, wenn dieses Wort für das plumpe Rampen­theater überhaupt angebracht ist, wirkt wie bei der ersten Stellprobe stehen geblieben, Einfälle wie das karnevalistische Hochzeitsfest mit maskierten Kindern – die Kostüme siedeln das Stück Anfang des 20. Jahrhunderts in Großbritannien an – hinterlassen in ihrer Ungeformtheit einen peinlichen Eindruck. Dass Edgardo beim Ringtausch mit Lucia seinen blauen Mantel als unfreiwilliges Liebespfand liegen lässt und sie ihn beim Hantieren mit ihrem Brautkleid in der Wahnsinnsszene trägt, schafft nur einen plumpen szenischen Zusammenhang. Selbst der Ausstatter Toffolutti versagt: Ein Zwischen­vorhang à la Caspar David Friedrich mit romantischer Gräberlandschaft und gestrandeten Booten verspricht Atmosphäre, die aber trotz leichter Verschleierung der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 49
von Ulrich Schreiber

Vergriffen
Weitere Beiträge
Psychologie im Paradies

In Worms in der Von-Steuben-Straße befindet sich die ehemalige Großherzogliche Lateinschule, die heute den Namen «Rudi-Stephan-Gymnasium» trägt – benannt nach einem Komponisten, der sein junges Leben im Ersten Weltkrieg lassen musste und daher von der Nachwelt meist unbeachtet blieb. 1909, im Alter von gerade einmal zweiundzwanzig Jahren, begann Rudi Stephan die...

Für alle Schichten

Herr Mortier, nach einer Spielzeit der Reprisen – eine Art Mortier-Werkschau mit Errungenschaften aus Salzburg und der RuhrTriennale – haben Sie im zweiten Jahr für Paris andere Akzente gesetzt. Welche programmatischen Überlegungen stehen hinter der Auswahl der Stücke und Regisseure?
Die erste Spielzeit war in erster Linie eine artisanale (handwerkliche) Spielzeit....

Geschenk zur Silberhochzeit

Nach dem «Onkel aus Boston», den Helmuth Rilling aus der Versenkung geholt und wieder aufführungstauglich gemacht hatte (vgl. OW 11/2004), gilt es nun erneut einen Repertoire-Exoten zu begrüßen: «Heimkehr aus der Fremde» heißt das «Liederspiel in ­einem Akt», das am 26. Dezember 1829 uraufgeführt wurde.
Man vergegenwärtige sich folgende Situation: Einhundertzwanzig...