Donizetti: Lucia di Lammermoor

Essen

Opernwelt - Logo

Wenige Tage nach dem Tod Benno Bessons brachte sein legendärer Ausstatter aus Zeiten der Zusammenarbeit an der Volksbühne und dem Deutschen Theater Berlin seine erste Inszenierung eines ita­lienischen Melodramma heraus. Doch Ezio Toffoluttis «Lucia di Lammermoor» am Essener Aalto-Theater machte schmerzlich spürbar, was wir an Besson verloren haben: Sie ist szenisch ein Fiasko.

Die starre Personenführung, wenn dieses Wort für das plumpe Rampen­theater überhaupt angebracht ist, wirkt wie bei der ersten Stellprobe stehen geblieben, Einfälle wie das karnevalistische Hochzeitsfest mit maskierten Kindern – die Kostüme siedeln das Stück Anfang des 20. Jahrhunderts in Großbritannien an – hinterlassen in ihrer Ungeformtheit einen peinlichen Eindruck. Dass Edgardo beim Ringtausch mit Lucia seinen blauen Mantel als unfreiwilliges Liebespfand liegen lässt und sie ihn beim Hantieren mit ihrem Brautkleid in der Wahnsinnsszene trägt, schafft nur einen plumpen szenischen Zusammenhang. Selbst der Ausstatter Toffolutti versagt: Ein Zwischen­vorhang à la Caspar David Friedrich mit romantischer Gräberlandschaft und gestrandeten Booten verspricht Atmosphäre, die aber trotz leichter Verschleierung der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 49
von Ulrich Schreiber

Vergriffen
Weitere Beiträge
Patchwork

Ein Handlungsreisender in Sachen Rache. Hamlet schleppt Koffer, blickt unsicher umher: Wo bin ich hier? Das fragt sich nicht nur er, sondern wohl auch ein Groß­teil der Zuschauer bei dieser ersten «Hamlet»-Aufführung in der Geschichte der Rheinoper. Ursprünglich sollte die Premiere bereits im neuen Einjahres-Ausweichquartier, im RheinOperMobil, stattfinden, doch...

Von Olimpia zu Anna

Welcher Opernfreund wäre nicht gern bei den Uraufführungen von Verdis «Otello» und «Falstaff» dabei gewesen? Aufnahmen mit Francesco Tamagno, Victor Maurel und Edoardo Garbin geben uns eine Vorstellung davon, wie damals gesungen wurde. Jetzt hat Preiser den ersten Lodovico und den ers­ten Pis­tola auf einer CD vereint: die Bassis­ten Fran­cesco Navarini (1855-1923)...

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die neue Mitte. Eine schöne Werbeformel, mit der die Kommune Nordhausen hofft, ihr graues Image ein wenig aufzuhellen. Geografisch trifft sie fraglos zu: Während der vierzig Teilungsjahre an die Peripherie der verblichenen DDR gedrängt, liegt die Stadt nun wieder im Herzen Deutschlands. Wirtschaftlich und demografisch indes kann von einem Platz in solider...