Babulenka sei Dank
Axel Ranisch, das staunend-spielerische Kind mit Bart im Regiesandkasten, hat in Stuttgart wieder zugeschlagen. Pro -kofjews Oper «Der Spieler» nach Dostojewskis gleichnamigem Roman verdichtet die Handlung dramaturgisch geschickt: Eine vermeintlich feine, russische Gesellschaft vergnügt sich beim Glücksspiel. Der beim Marquis verschuldete General wartet auf die Nachricht vom Tod seiner Erbtante, um die zwielichtige Mademoiselle Blanche heiraten zu können.
Polina, die Stieftochter des Generals, verbindet mit Alexej, dem Hauslehrer der Familie, eine widersprüchliche Liaison: «Sie sind mir verhasst, besonders weil ich Ihnen so viel erlaubt habe, und in noch höherem Grade deshalb, weil ich Sie so nötig habe. Aber solange Sie mir nötig sind, darf ich Sie nicht zu Schaden kommen lassen», wirft sie ihm bei Dostojewski an den Kopf. Überraschend erscheint die moribunde Verwandte Babulenka quicklebendig – und verspielt beinahe ihr gesamtes Vermögen. Um Polina zu gewinnen, setzt Alexej im Casino immer wieder auf Rot, gewinnt, sprengt zwei Tische. Damit erreicht er das Gegenteil seiner Absicht: Polina wendet sich von ihm ab. Er verfällt seinem Schicksal, der Spielsucht.
Warum das Stück ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Götz Thieme
Den «Herrlichsten von allen» hätte sie schon gern an ihrer Seite. Aber blinde Schwärmerei? Bedingungslose Hingabe? Vielleicht doch erst mal abwarten. Eine kleine, subtile Doppelbödigkeit klingt mit, wenn Edith Mathis dieses Lied von Robert Schumann gestaltet. Das ist kein singendes Ich, das sich sofort heranschmeißt oder die Realität vergisst. Auch weil später...
Zweimal wird die Schiebetür im Hintergrund geöffnet. Die Aussicht: ganz famos. Ein Wald-Wiesen-Idyll – nur dass ein Absperrklebeband das Panorama teilt und Stacheldraht die Aussicht stört. Davor steht ein riesiger Metallstuhl. Der kann beklettert und umgekippt werden, ist Thron, Zimmerecke oder auch mal eine Art Gefängnis. Ganz reduzierte szenische Zeichen sind...
Grimmig war Mark-Anthony Turnage angesichts manch harscher Kritiken zu seinem letzten Musiktheater «Coraline»: Er müsse ja keine Opern mehr schreiben, wenn sie auf so wenig Gegenliebe stießen. Nun denn, Turnage schuf dann doch ein neues Werk, mit Spannung erwartet und mit erheblichem Aufwand nun uraufgeführt an der Royal Opera Covent Garden. «Festen», ein Film des...
